Nachgefragt
„Blue Chips sind günstig wie selten“

Neun Fragen zum Thema US-Aktien an Murdo Murchison, Fondsmanager des Templeton Growth Fund.

Muss der Anleger heute US-Aktien haben?

Hätten Sie mich vor drei Jahren gefragt, dann hätte ich „nein“ gesagt. Damals waren US-Aktien vergleichsweise unattraktiv. Heute sieht das anders aus. Die Bewertung ist inzwischen so günstig, dass der Unterschied zu der Bewertung der Aktien aus der übrigen Welt praktisch aufgehoben ist.

Sie selbst haben in Ihrem Fonds „Templeton Growth“ ja schon kräftig aufgestockt.

Anfang 2005 hatten wir US-Werte mit einem Anteil von 20 Prozent noch deutlich untergewichtet. Inzwischen haben wir den Anteil auf mehr als 35 Prozent angehoben. Und wir kaufen noch. Dabei finden wir die größten Schnäppchen unter den großen Konzernen.

Da suchen Sie sich genau die Aktien, die in den vergangenen drei Jahren besonders schlecht abgeschnitten haben.

Stimmt. Nebenwerte haben in der jüngsten Rally gegenüber großen Titeln eine um 66 Prozent bessere Kursentwicklung vorgelegt. Titel aus Schwellenländern haben gegenüber US-Aktien sogar um 130 Prozent besser abgeschnitten.

Und jetzt glauben Sie an ein Comeback der US-Blue Chips?

Sie haben starke Bilanzen, einen stetig wachsende Einnahmestrom und sind im Vergleich enorm attraktiv. Hinzu kommt, dass die großen US-Konzerne ihre Strategie besonders vorbildlich an den Aktionärsinteressen ausrichten. Das ist in Japan nicht immer der Fall, Europa holt hier langsam auf. Eine Microsoft-Aktie und Papiere von Oracle sind jetzt schon zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf oder 14 zu haben, gemessen an den Gewinnen des kommenden Jahres. Das hat es bisher noch nie gegeben. Wir befinden uns in einer der seltenen Phasen, in denen die großen Titel preiswerter als Nebenwerte zu haben sind.

Wie erklärt sich das?

Nebenwerte müssten wegen ihres größeren Risikos eigentlich günstiger als große Titel sein. Doch der Markt ist inzwischen deutlich übervölkert. Jede Bank hat während der jahrelangen Rally der kleinen Titel ihr Research dort ausgeweitet. Dazu kommen noch die Hedge-Fonds. Sie kaufen besonders gern die kleineren Wachstumswerte, weil sie aus kurzfristigen Schwankungen Vorteile ziehen wollen. Schnäppchen sind in der zweiten Reihe immer seltener zu finden.

Entsprechend haben Sie den Anteil der großen Werte in Ihrem Portfolio erhöht?

Konzerne mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 50 Mrd. Dollar machen inzwischen ein Drittel unseres Portfolios aus. Vor fünf Jahren hatten wir weniger als 15 Prozent dort investiert.

Die drohenden Zinserhöhungen schrecken Sie nicht vom US-Markt ab?

Den Folgen neuer Zinserhöhungen der US-Notenbank können Sie nicht entrinnen, wenn Sie den US-Markt meiden. Das zu glauben, wäre naiv. Das Risiko besteht überall. Zugegeben, der US-Markt hat seine Probleme. Die Zinserhöhungen der Notenbank, das steigende Außenhandelsbilanz-Defizit, der schwache Dollar, die politischen Unsicherheiten und die Blase am Immobilienmarkt. Aber keines dieser Probleme ist neu. Sie sind den Investoren längst bekannt und in den Kursen der US-Aktien berücksichtigt – mehr vielleicht, als auf anderen internationalen Märkten. Da ist der US-Markt den anderen schon ein Stück voraus.

Trotzdem sind US-Aktien im Vergleich zu europäischen Titeln noch etwas teurer.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass bei US-Aktien ein gewisser Aufschlag gerechtfertigt ist. Die Aktienkultur ist in den Konzernen hier besonders ausgeprägt. Time Warner etwa kauft jede Menge Aktien zurück, um den Kurs zu pflegen und die Aktionäre so an den Gewinnen teilhaben zu lassen. Außerdem sind die US-Werte gerade in schwierigen Zeiten weniger anfällig für Rückschläge und weniger konjunkturabhängig als etwa in Europa. Das sehen wir gerade. US-Aktien haben sich während der jüngsten Kurseinbrüche deutlich besser gehalten als der Rest.

Dann konzentrieren Sie sich im Moment wohl eher auf defensive Titel?

Gekauft wird, was günstig ist. Der Mischkonzern Tyco ist eine unserer großen Positionen. Der Konzern ist in seinen Einzelteilen mehr wert, als der Aktienkurs ausdrückt und soll aufgespalten werden. Wir haben auch den Versicherer AIG im Portfolio und sind zudem bei Medien fündig geworden, wie etwa bei News Corp. Die Finanztitel, die ja eine gute Rally hinter sich haben, haben wir untergewichtet.

Die Fragen stellte Gertrud Hussla

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