Nachgefragt: Christoph Berglar: „Hengste sind riskanter als Stuten“

Nachgefragt: Christoph Berglar
„Hengste sind riskanter als Stuten“

Im Gespräch mit dem Handelsblatt erzählt Christoph Berglar, Pferdezüchter vom Union-Gestüt in Eitorf, wie lukrativ eine Investition in Rennpferde ist, welche Risiken damit verbunden sind und woran man ein gutes Rennpferd erkennt.
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Wie lukrativ ist es, sein Geld in Rennpferde zu investieren?

Mit Rennpferden kann man sehr viel Geld verdienen, aber eben auch sehr viel Geld verlieren. Gewinne entstehen zum Teil über die Rennpreise, vor allem aber über die Wertsteigerung des Pferdes, wenn es erfolgreich ist. Man sollte dann rechtzeitig den Gewinn realisieren.

Aber das Risiko ist sehr groß ...

Eine gute Möglichkeit, um das Risiko zu streuen, bieten Beteiligungen an Rennpferden. Diese Art des Investments ist in England sehr weit verbreitet, aber auch in Deutschland im Kommen. Die Freude über den gemeinsamen Gewinn teilt man bekanntlich gerne mit anderen.

Kommen Investments in Rennpferde prinzipiell auch für Nichtpferdekenner als Anlageform in Frage?

Natürlich! Die Leute investieren doch auch in Aktien, ohne immer alles zu verstehen. Entscheidend ist es, den richtigen Berater zu finden und gemeinsam mit ihm eine individuelle Investmentphilosophie zu entwickeln.

Woran erkennt man ein gutes Rennpferd?

Die Qualität eines fertig ausgebildeten Rennpferdes erkennt man am Charakter und der Athletik. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass das Tier gesund ist. Am wichtigsten aber ist die Bewegung im Schritt und die Ausstrahlung, die Persönlichkeit des Pferdes. Bei der Auswahl eines Rennpferdes kommt es gleichermaßen auf Erfahrung und Intuition an.

Was würden Sie empfehlen: Hengst oder Stute?

Hengste sind riskanter als Stuten, weil sie später nur dann in der Zucht eingesetzt werden können, wenn sie hervorragende Rennleistungen vorzuweisen haben. Wenn ein Hengst aufgrund einer Verletzung rennuntauglich wird, bevor er sein Können unter Beweis gestellt hat, kann man ihn oft nur für kleines Geld als Reitpferd weggeben. Stuten mit einer sehr guten Abstammung haben dagegen einen sogenannten residual value. Sie werden später als Zuchtstuten eingesetzt und verfügen daher immer über einen entsprechenden Marktwert. Hier ist der Investor sozusagen nach unten abgesichert.

In anderen Ländern floriert der Rennsport, wie sieht es in Deutschland aus?

Der Rennsport floriert überall dort, wo der Staat den Rennveranstaltern die Funktion eines staatlich gelenkten Glücksspielanbieters zugewiesen hat – wie beispielsweise in Japan oder Frankreich – oder sich völlig zurückhält und die Veranstalter nicht durch Verbote zusätzlicher Glückspielangebote hemmt. Dann gibt es eine weitere Kategorie von erfolgreichen Rennsportnationen wie Irland, England und die Vereinigten Emirate, wo das Rennpferd als Kulturgut einen so hohen Stellenwert hat, dass entweder der Staat die Rennen alimentiert oder die Zuschauer bereit sind, den Sport durch Wetteinsätze und Pferdeinvestments zu finanzieren. Deutschland fällt in keine der Kategorien, und das macht es nicht leichter.

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