Nachgefragt
„Der richtige Mix ist entscheidend“

Sieben Fragen zum Thema Themenzertifikate an Matthias Wesseling, Leiter der Kölner Niederlassung von Delbrück Bethmann Maffei.

Themenzertifikate wie beispielsweise Rohstoff-Baskets versuchen an Börsentrends zu verdienen. Ist das überhaupt so leicht möglich?

Die größte Herausforderung ist natürlich, die großen Trends an den Märkten zu erkennen. Das Chance-Risiko-Profil von Themenzertifikaten ist im Vergleich zu anderen Zertifikate-Gattungen daher auch deutlich ausgeprägter. Der Perspektive sehr hoher Gewinne steht grundsätzlich die Gefahr von massiven Rückschlägen gegenüber.

Die Performance wird in den meisten Verkaufsprospekten rückwirkend berechnet. Worin liegt dabei die Gefahr?

Die zukünftige Performance eines Zertifikates lässt sich nicht aus der vergangenen Entwicklung ableiten. Hier besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich Anleger zu unkritisch von einem bereits länger laufenden positiven Themen-Trend blenden lassen und schlimmstenfalls ein „Modethema“ erst in der Nähe der Höchstkurse aufgreifen. Entsprechend groß ist dann später die Enttäuschung.

Welche Themen spielen für Sie zurzeit eine so wichtige Rolle, dass Anleger in die passenden Zertifikate investieren sollte?

Nach wie vor zählen Rohstoffe dazu – neben Öl und Metallen aber auch Agrarerzeugnisse. Von 1980 bis 2000, also nach dem Ende der Ölpreiskrisen, gerieten Rohstoffe in Vergessenheit. Zu Anfang dieses Jahrhunderts waren Rohstoffe so günstig wie lange nicht mehr. Seither erleben sie einen Boom ungekannten Ausmaßes. Rohstoffhaussen erstrecken sich traditionell über Zeiträume von 15 bis 20 Jahren. Da die jetzige Hausse erst vor fünf Jahren begann, ist weiterhin Optimismus für den Rohstoffsektor angesagt.

Warum sollen die Anleger nicht gleich zu einem passenden Fonds greifen?

Für Zertifikate sprechen auf den ersten Blick Preise und Flexibilität. Zertifikate werden üblicherweise mit einer minimalen Spanne zwischen An- und Verkaufspreis laufend zum Handel angeboten. Und obwohl auch Zertifikate nur unter längerfristigen Anlagegesichtspunkten erworben werden sollten, können sie jederzeit zu diesen Preisen wieder verkauft werden. Die Emittenten stellen üblicherweise ständig Kurse und garantieren so die Liquidität der Zertifikate. Dennoch gilt als Faustformel: Je komplizierter ein Produkt, desto höher sind in der Regel die Kosten. Eine eindeutige Antwort, ob Fonds oder Zertifikate dabei besser sind, gibt es nicht. Allerdings lassen sich nur ähnlich ausgerichtete Produkte miteinander vergleichen.

Worauf sollten die Anleger bei der Auswahl der Zertifikate denn achten?

Entscheidend ist, auch mit Zertifikaten systematisch den passenden Mix für sich zusammenzustellen. Damit heißt die Antwort auch hier Diversifikation. Der US-Ökonom Harry Markowitz rechnete 1969 in seiner modernen Portfoliotheorie vor, dass Portfolios mit einer Mischung aus Anlageklassen, die wenig oder überhaupt nichts miteinander zu tun haben, in ihrer Wertentwicklung wesentlich besser abschneiden als Portfolios mit einer Monostruktur – und das mit sogar geringerem Risiko. Im Ergebnis heißt das: Das Wertpapierdepot wächst dann nicht so dynamisch, aber gleichmäßiger. Deshalb raten wir auch bei Zertifikateinvestitionen zur breiteren Streuung auf verschiedene Anlagethemen.

Gibt es Gefahren für den Anleger, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind?

Mit Blick auf die notwendigerweise hohe Spezialisierung sind in Themenzertifikaten häufig Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen enthalten, die in einem etablierten Index wegen ihrer zu geringen Marktkapitalisierung keine Berücksichtigung finden. Damit sind Themen-Baskets nicht nur wegen ihres engen Anlagekosmos tendenziell deutlich spekulativer als Zertifikate auf Branchenindizes.

Gibt es noch andere Probleme?

Den vorhandenen Chancen steht ein weiteres Risiko gegenüber: Bei Themenzertifikaten wird die Zusammenstellung der Basiswerte während der Laufzeit oftmals nicht verändert. Das heißt, dass eine beispielsweise durch Gewinneinbrüche im operativen Geschäft stark gefallene Aktie bis zum bitteren Ende im Aktienkorb bleibt. In einem Branchenindex wird eine solche Aktie zu Gunsten anderer Aktien häufig ausgetauscht oder in der Gewichtung reduziert. Hier entsteht dann eher die Chance, wenigstens einen Teil der erlittenen Verluste durch spätere Kursanstiege der anderen Titel zu kompensieren.

Die Fragen stellte Patrick Mönnighoff

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%