Nachgefragt
„Hohe und kontinuierliche Dividenden“

Sechs Fragen zum Thema Versorger-Aktien an Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment.

Herr Deser, ist die Anlage in Versorger-Aktien derzeit ein gutes Investment?

Ja. In den vergangenen Monaten sind die Aktionäre damit gut gefahren. Seit Jahresbeginn haben sich die europäischen Werte zumindest durchschnittlich, in vielen Fällen sogar überdurchschnittlich entwickelt.

Und wie sehen Sie die mittelfristigen Perspektiven?

In den kommenden ein bis zwei Jahren sind die Aktien in Märkten mit steigenden Strom- und Gaspreisen weiter ein chancenreiches Investment. Dazu zähle ich vor allem Deutschland, aber auch Frankreich und Skandinavien.

In der Vergangenheit waren Versorgeraktien eher etwas für die defensive Strategie. Trifft das noch zu?

Über die gesamte Branche hinweg gilt diese Wahrnehmung sicherlich auch weiterhin. Einzelne Werte eignen sich aber durchaus auch für eher spekulative Anleger. Die Übernahmewelle, die derzeit über den europäischen Energiemarkt rollt, könnte den Kurs von kleineren Werten beflügeln.

Versorgeraktien sind also in der Regel eher etwas für konservative Anleger?

Sie sind vor allem für Anleger interessant, die Wert auf hohe und kontinuierliche Dividenden legen. Die Energiemanager überbieten sich mit entsprechenden Ankündigungen. Die Ertragslage der Unternehmen gibt das auch her. Jährliche Steigerungen von zehn bis 15 Prozent sind gut machbar.

Welche Faktoren beeinflussen die Aktienkurse?

Die Anleger sollten vor allem die Öl- und Gaspreise beobachten, viele Versorger bieten schließlich auch Gas an. Steigende Rohstoffkosten beflügeln die Kurse, weil die Unternehmen die Kosten weiterreichen können. Bei radikal sinkenden Öl- und Gaspreisen werden die Versorgeraktien dagegen im Gegensatz zum Gesamtmarkt nachgeben. Wichtig ist auch das Zinsniveau, da ja die Anleger großen Wert auf die Dividendenrendite legen. Steigen die Zinsen, relativiert sich dieser Vorzug der Versorgeraktien. Weil die Unternehmen viel Kapital einsetzen müssen, verteuern steigende Zinsen zudem die Finanzierungskosten. Dieser Aspekt ist derzeit aber eher zu vernachlässigen. Schließlich sind die Bilanzen der Versorger so stark wie noch nie.

Werden die Gewinne denn weiter sprudeln? Müssen die Unternehmen nicht mit einem verstärkten Druck der Wettbewerbshüter rechnen?

Die Regulierung ist ein wichtiger Faktor, der in die Bewertung der Aktien einfließt. Bis Juli 2007 sollen die Energiemärkte in der Europäischen Union geöffnet sein – so steht es zumindest im Gesetzbuch. Diese Entwicklungen müssen Anleger im Auge behalten. In den Aktienkursen ist dieser Faktor aber teilweise schon enthalten.

Die Fragen stellte Jürgen Flauger.

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