Nachgefragt
„Nach falscher Beratung fehlt oft der Beweis“

Fünf Fragen an Peter Balzer zum Thema Haftung von Bankberatern und Vermögensverwaltern. Balzer ist Rechtsanwalt für Bankrecht in Düsseldorf.

Nach dem Platzen der Spekulationsblase haben viele Anleger ihre Bankberater und Vermögensverwalter verklagt. Wie viele hatten Erfolg?

Die Mehrheit der sich schlecht beraten fühlenden Anleger konnte auf dem Rechtsweg nichts wieder holen. Sie konnten vor Gericht nicht sauber nachweisen, was in den Beratungsgesprächen gesagt wurde. Etwas anders sieht die Sache bei Klagen gegen Vermögensverwalter aus: Gibt der Anleger dem Verwalter ein Mandat über sein Depot, muss per Gesetz im Vertrag stehen, wie der Profi das Geld anlegen soll. Hat er sich nicht an die Vorgaben gehalten, ist ihm das viel leichter nachzuweisen. Für Abweichungen von den vereinbarten Anlagerichtlinien muss der Vermögensverwalter haften.

Dann sollte der Kunde wohl bei jedem Beratungsgespräch einen Zeugen dabei haben?

Das ist keine schlechte Idee. Ein Bankberater hat sonst die besseren Karten. Er ist Angestellter des Geldinstituts oder der Beratungsfirma, gegen die der Kunde klagt. Damit kann er vor Gericht als Zeuge aussagen. Der Anleger dagegen steht ohne Zeugen da, wenn er beim Beratungstermin alleine war.

Die meisten Gespräche finden aber unter vier Augen statt.

Auch da kann sich der Kunde schützen, indem er einfach ein Gesprächsprotokoll verlangt, das dann beide, der Berater und der Kunde, unterschreiben. Das macht kaum ein Berater freiwillig, aber er wird es selbstverständlich tun, wenn er danach gefragt wird. Wurde darin etwa festgehalten, dass der Kunde ein konservativer Anleger ist, kann ein Finanzdienstleister ihm nicht einfach einen Schiffsfonds verkaufen, in den er einen großen Teil des Depots steckt.

Was sollte in so einem Protokoll mindestens drinstehen?

Dort sollten das Anlageziel des Kunden genannt sein, sein Risikoprofil, die Kenntnisse auf dem Gebiet der Geldanlage und seine finanziellen Verhältnisse. Solch ein Protokoll wird auf Grund einer EU-Richtlinie zumindest für den Bereich der Versicherungsvermittlung bald Pflicht. Bögen mit den entsprechenden Angaben schicken viele Banken ihren Kunden inzwischen von sich aus zu. Die sollte sich der Anleger ganz genau durchlesen. Teilweise kreuzen Bankberater schon Antworten an, ohne den Kunden zu fragen. Damit haben sie einen Freibrief, um risikoreiche Produkte zu verkaufen.

Wie lange kann ein Anleger sich mit dem Rechtsweg Zeit lassen?

Bei Beratungsgesprächen durch Banken ist der Fall nach drei Jahren verjährt. Maßgeblich ist dabei der Zeitpunkt, an dem der Schaden eingetreten ist, also der Tag, an dem die Beratung stattgefunden hat. Bei einer Vermögensverwaltung beginnt die Verjährung an dem Tag, an dem der Verwalter die vereinbarte Strategie nicht einhält. Die Verjährung beträgt hier auch drei Jahre, beginnt aber erst mit der Kenntnis des Kunden und kann im Höchstfall zehn Jahre betragen.

Die Fragen stellte Gertrud Hussla

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