Nachgefragt
„Nur Alu und Zink haben Potenzial“

Fünf Fragen zum Thema Industriemetalle und Rohstoffe an Michael Lewis, Rohstoffanalyst bei der Deutschen Bank.

Auf welchen Annahmen über den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft basieren ihre aktuellen Rohstoffprognosen?

Die gegenwärtigen Zins- und Wachstumsängste sind übertrieben. Das Wirtschaftswachstum in den USA wird erst ab Ende im Jahre 2007 an Kraft verlieren, wenn die US-Federal Reserve, also die amerikanische Notenbank, die Zinsschraube wieder lockern wird. Für den Dollar sehen wir daher 2007 und 2008 neue Tiefstände.

Die meisten Prognosen gehen aber bereits für 2007 von erheblich niedrigeren Preisen für die Industriemetalle aus.

Der Charakter der bisherigen Metallpreishausse beginnt sich zu wandeln. Diese war bisher vor allem nachfragegetrieben. Im kommenden Jahr werden dagegen Versorgungsschwierigkeiten das große Thema sein. Wir gehen dabei von Produktionsdefiziten bei den meisten Metallen aus. Allerdings rechnen auch wir mit niedrigeren Preisen für Kupfer und Nickel im kommenden Jahr. Für Aluminium und Zink sehen wird dagegen noch Aufwärtspotenzial.

Schon jetzt enttäuschen die Erträge mancher Rohstofffonds. Wird sich das ändern?

Das hängt mit dem so genannten „negative roll“ an den Terminmärkten zusammen. Dieser tritt ein, wenn beim Weiterrollen eines fälligen Terminkontrakts in die jeweils folgende Laufzeit kein Gewinn mehr anfällt. Unsere Fondsprodukte sind davon aber weniger betroffen. Unseren Mean Reversion Index Fonds haben wir bereits zu 80 Prozent zu Gunsten von Agrarprodukten gewichtet. Vor allem bei Weizen und Mais erwarten wir in den nächsten zwei Jahren beträchtliche Preissteigerungen. Real liegen die Preise bei diesen Produkten noch beträchtlich unter ihren historischen Höchstständen. Und selbst bei den Metallen hoffen wir noch Geld zu verdienen und zwar am hinteren Ende der Terminkurve.

Warum versuchen Sie nicht ähnlich wie die Hedge-Fonds auch von sinkenden Preisen zu profitieren?

Davon halten wir nichts. Auf den Zeitpunkt der Wende eines Preistrends zu spekulieren kann sehr teuer werden, wenn es schief geht. Dafür haben wir Beispiele.

Wird das ungestüme Wachstum Chinas weiterhin die treibende Kraft hinter der Rohstoffpreishausse bleiben?

Nur was die Agrarmärkte angeht. Hier dürfte der wachsende Bedarf des Landes an Sojabohnen, Mais und Weizen für weitere Preisaufschläge sorgen. Bei den Metallen ist die große China-Story hingegen bereits gelaufen. Nicht zuletzt wegen der eigenen Produktionsausweitungen wird sich der Bedarf der Chinesen an eingeführten Metallen stabilisieren und dann nach und nach verringern. Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die internationalen Metallpreise stehen aber noch aus.

Die Fragen stellte Dieter Claaßen.

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