Nachgefragt
„Qualität der Emittenten wird wichtiger“

Fünf Fragen zum Thema Zertifikatehandel an Dieter Lendle, Vorstand des Deutschen Derivate Instituts.

Herr Lendle, für wen eignet sich der Börsenhandel von Zertifikaten, für wen der Direkthandel mit dem Emittenten?

Daytrader, die meist sehr kurzfristig agieren und selbst Kontrolle über die Orderausführung haben wollen, präferieren den Direkthandel. Privatanleger sind hingegen im Börsenhandel ganz gut aufgehoben. Sie haben zu überschaubaren Mehrkosten, sprich die Courtage, stets die Möglichkeit, die Handelsüberwachung einzuschalten, wenn mit Kursen oder Abwicklung etwas schief geht. Zudem haben sie bei liquide gehandelten Zertifikaten die Chance auf noch bessere Kurse als im Direkthandel und können historische Kurse und Kursstellungen im Internet nachlesen.

Worauf sollten Anleger achten, wenn sie Zertifikate handeln?

Im Hinblick auf die Transaktionskosten ist für Anleger vor allem der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, maßgeblich. Diese Differenz spielt für die Gesamtkosten von Kauf und Verkauf eines Zertifikats eine viel größere Rolle als etwa die Courtage, die nur 0,08 Prozent des Ordergegenwertes ausmacht.

Ist ein Trend erkennbar, welcher Weg sich durchsetzt?

Nein, nach unserer Beobachtung bleiben die Anteile der Orderwege auch innerhalb der Zertifikategattungen konstant in einem insgesamt stark wachsenden Markt: Hebelprodukte werden überwiegend außerbörslich gehandelt, bei Anlagezertifikaten haben die Börsen den größeren Umsatzanteil.

Im Rahmen der Kursturbulenzen im Mai war zeitweise kein Handel bei einigen Zertifikaten möglich. Wie kann das sein?

Wenn selbst der physische Markt wie im Beispiel Silber zeitweise vom Handel ausgesetzt wird, ist er nur logisch, dass auch der Handel mit den Derivaten auf Silber ausgesetzt ist. Allerdings müssen die Anleger bessere Möglichkeiten erhalten, derartige Handelsaussetzungen zeitnah zu erkennen. Insgesamt spielt die Qualität der Emittenten im Hinblick auf die Kursstellungen eine wichtige Rolle bei Anlegern. Dazu zählt auch die genaue Angabe handelbarer Stückzahlen, Veränderungen des Spreads und der maximale Spread.

Die Börse Stuttgart plant den Einstieg in einen vollelektronischen Handel, die Börse Frankfurt überdenkt ähnliche Pläne. Was bedeutet dies für Anleger und ihre Orderwege?

Wir beobachten die Pläne mit Skepsis. Ein ordergetriebener elektronischer Handel lockt auf Arbitrage spezialisierte Kapitalmarktprofis in den Zertifikatemarkt, die das System mit Tausenden von Ordern und Kursabfragen bombardieren und fehlerhafte Kursstellungen ausnutzen können. Wir befürchten, dass viele Emittenten darauf mit ausgeweiteten Spreads reagieren, um diese Form der Arbitrage unattraktiv zu machen. Das wäre nachteilig für alle Anleger. Der bisherige quotegetriebene Handel mit einem Wettbewerb zwischen Börsen und Skontroführern hat sich bewährt.

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