Nachgefragt
„Vieles hat sich zum Positiven verändert“

Fünf Fragen zum Thema Neuemissionen an Heiko Bienek, Portfolio-Manager bei Lupus Alpha in Frankfurt.

Die Bilanz vieler deutscher Börsenneulinge war zuletzt enttäuschend. Sollten Kleinanleger deshalb generell die Finger davon lassen?

Im Gegensatz zur Situation im Jahr 2000, als rund ein Drittel der Emissionen nicht börsenreif waren, hat sich heute eine Menge zum Positiven geändert. Derzeit gibt es viele interessante Börsenkandidaten, die auch Perspektiven auf eine MDax- oder SDax-Aufnahme haben. Deren Pech ist leider die aktuelle Börsenphase und die zeitliche Ballung der Börsengänge. Für die Anleger bedeutet das jedoch: Sie haben die Chance auf hochinteressante Unternehmen zu vernünftigen Preisen.

Nach welchen Kriterien gehen Sie bei der Auswahl eines Börsenneulings vor?

An erster Stelle stehen die Börsenstory und die Bewertung des Unternehmens im Vergleich zur Branche. Ein wichtiger Faktor ist zudem die Qualität des Managements. Daneben spielen Fragen eine Rolle wie: Ist das Unternehmen nur eines von vielen oder der Trendsetter? Ist die Ertragsstory nachvollziehbar?

Aktuell ist es üblich, dass ein großer Teil der angebotenen Aktien von Altaktionären kommt. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Das kommt darauf an, ob es den Aktionären lediglich darum geht, Kasse zu machen, oder ob durch den Börsengang eine strategische Weiterentwicklung des Unternehmens angestrebt wird. Gibt es hierzu konkrete Pläne und handelt es sich um ein interessantes Unternehmen, dann spielt der Ausstieg eine untergeordnete Rolle. Generell sind wir bei einem Ausstieg der Altaktionäre nicht bereit, überzogene Emissionspreise zu bezahlen.

Gibt es Kriterien, die Sie vom Zeichnen einer Aktie abhalten?

Das ist dann der Fall, wenn wir uns an offenen Fragen festbeißen, die das Management nicht eindeutig erklären kann. Auch zeichnet generell kein seriöser Investor mehr Aktien von Unternehmen, bei denen im Management einer jener „schillernden Paradiesvögel“ sitzt, die noch aus anderen Börsenphasen bekannt sind. Ist die Story nicht schlüssig oder handelt es sich um ein finanziell angeschlagenes Unternehmen, sind das weiter Ausschlusskriterien.

Im neu geschaffenen Entry Standard gibt es viele Chancen, denen aber hohe Risiken gegenüberstehen. Wie halten Sie es mit dem Entry Standard?

Bei Unternehmen, die in den Entry Standard gehen, muss der Investor noch genauer hinsehen als bei anderen Börsenneulingen. Zumal die Unternehmen dort die Möglichkeit haben, auch ohne Börsenprospekt an den Markt zu gehen. Für eine ganze Reihe von Unternehmen ist der Entry Standard von vornherein ein Übungsbecken, um schon einmal für den deutlich höher reglementierten Prime Standard zu üben.

Die Fragen stellte Christian Schnell.

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