Nachgefragt
„Wir halten am Ziel von 6 000 Punkten fest“

Sechs Fragen an Hendrik Garz, Chefstratege für Deutsche Aktien bei der WestLB.

Nach drei Jahren Hausse hat der Dax im Mai gedreht. Ist der Trend damit gebrochen?

Der Momentummarkt, in dem die Hausse sich selbst genährt hat, ist gebrochen. Diese starke Eigendynamik wird nicht mehr zurückkehren. Jetzt ist der Markt zurückgeworfen auf eine rationale Bewertung und auf Fundamentaldaten.

Geht es jetzt nur noch abwärts?

Nein. Wenn sich die Börse beruhigt, gibt es grundsätzlich noch Aufwärtspotenzial. Der Markt ist momentan etwas irrational auf ein Thema fokussiert, er hat sich eingeschossen auf Inflation und Zinsen und blendet andere Faktoren aus. Er könnte eine neue Orientierung finden, wenn das Thema Zinsen Ende Juni mit der Fed-Entscheidung durch ist.

Sind die deutschen Standardwerte nach dem Kursverfall unterbewertet?

Es besteht noch deutliches Bewertungspotenzial. Wir haben in unserer Asset Allocation die Aktienquote wieder erhöht und halten an unserem Kursziel von 6 000 Punkten für den Dax fest – wenn auch nicht unbedingt zum Jahresende.

In den vergangenen Monaten war der Dax ein Optionsschein auf den US-Markt. Wird er die Entwicklung in den USA weiterhin mit einem Hebel nachvollziehen?

In der Richtung wird er sich sicher nicht abkoppeln können. Obwohl der Einfluss der deutschen Konjunktur auf den Dax eher gering ist, spielten ausländische Investoren über die Standardwerte das deutsche Reformthema. Jetzt allerdings spürt man eine zunehmende Reformmüdigkeit.

Können Fusionen und Übernahmen (M&A) für weiteren Auftrieb sorgen?

Sie können zumindest zu Sonderbewegungen führen. Legt man den historischen Durchschnitt von M&A-Zyklen zu Grunde, dann dürfte die Welle noch bis ins Jahr 2007 andauern. Übernahmewellen verstärken sich oftmals selbst. Sollte das der Fall sein, dann könnte M&A der gesuchte Katalysator für den Markt sein.

Ist der Antrieb für die Übernahmen die gute Gewinnentwicklung der Unternehmen?

Ja. Man erkennt auch Wellen des Managementstils: Jahrelang haben die Unternehmen Kosten gesenkt und die Effizienz gesteigert, jetzt sind die Visionäre wieder am Ruder. Das zeigt sich in Realinvestitionen und Wachstumsstrategien. In manchen Branchen lässt sich das Wachstum einfacher erzielen, wenn man andere Unternehmen kauft. Doch Euphorie endet oft im Katzenjammer, deswegen sollten Anleger genau hinsehen, ob die Übernahme für ihre Aktie wirklich etwas bringt.

Die Fragen stellte Daniel Zwick.

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