Nachgefragt
„Wir sehen weiterhin viel Potenzial“

Sieben Fragen zum Thema Zertifikate an Siegfried Piel, Vorstandsvorsitzender des Derivate Forums.

Viele Zertifikatekurse sind bei der Börsenkorrektur im Mai stärker gefallen als ihre Basiswerte. Wie erklären Sie das den Anlegern?

Dass sich derivative Wertpapiere während der Laufzeit nicht eins zu eins mit ihrem Basiswert entwickeln, ist die Regel. Wichtiger als die kurzfristige Wertentwicklung des Zertifikats ist die Frage, ob der Kursverlauf beim Basiswert der Erwartung des Anlegers entspricht. Denn daran ist ja die Auszahlung am Ende der Laufzeit geknüpft.

Eignen sich komplizierte Konstruktionen, zum Beispiel mit mehreren Optionskomponenten, für alle Anleger?

Entscheidend ist nicht die komplizierte Konstruktion, sondern der angestrebte Anlageerfolg: Welcher Gewinn ist maximal möglich? Bei welchem Risiko? Wer wissen will, wie spät es ist, muss auch nicht die Mechanik des Uhrwerks verstehen. Bei einem Express-Zertifikat müssen Anleger folglich nicht über die Serie von digitalen Optionen Bescheid wissen, wohl aber, wann der Erfolg eintritt.

Wie können die Emittenten für mehr Aufklärung und Transparenz sorgen?

Das Engagement der Emittenten, Anleger im Detail aufzuklären, war von Anfang an ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Popularisierung von Derivaten. Allerdings gibt es noch keine Standards. Deshalb wird das Derivate Forum im Oktober den Derivate-Kodex veröffentlichen. Damit werden sich die Mitglieder zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Kapital und dem Vertrauen der Anleger verpflichten. Wir unterstützen zugleich Bankberater und Vermögensverwalter, die Zertifikate immer mehr Anlegern zugänglich machen.

Verändert der systematische Vertrieb von strukturierten Produkten die Anlagekultur?

Ja, denn Zertifikateanleger kombinieren einen Basiswert mit ihrem individuellen Wunsch nach Chance und Risiko. Sie wählen aus einem sehr breiten Angebot und nutzen dabei die Instrumente der Profis. Das führt zu einem neuen Verständnis der Geldanlage.

In anderen Ländern werden die Produkte oft in Fonds oder Versicherungen „verpackt“. Wieso gibt es in Deutschland fast ausschließlich Zertifikate?

Die liberalen Rahmenbedingungen machen das öffentliche Angebot und die Börsennotierung von Zertifikaten in Deutschland einfach. Bei aller Vielfalt in anderen Ländern sind Fonds, Versicherungen oder Terminbörsen doch nicht so effizient. Zertifikate sind der überlegene rechtliche Mantel, weil sich strukturierte Produkte damit flexibel darstellen lassen.

Können fallende oder stagnierende Aktienkurse das Wachstum des Zertifikatemarkts in diesem Jahr bremsen?

Eine längerfristige Baisse trübt sicherlich auch die Laune von Zertifikateanlegern. Allerdings wurden Zertifikate gerade aus dem Börsencrash geboren. So wie damals sind auch heute Teilschutzprodukte wieder ein großes Thema. Deshalb glauben wir an ein nachhaltiges Wachstum des Derivatemarktes und sehen weiterhin viel Potenzial.

Für welche Basiswerte sehen Sie das größte Wachstumspotenzial?

Je breiter die Anlegerschaft, desto größer die Nachfrage nach populären Basiswerten: Bekannte Blue Chips und deutsche sowie europäische Indizes werden auch künftig im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig erkennen wir Rohstoffe oder Währungen als Wachstumstreiber. Diese Investment-Alternativen finden also nicht mehr nur abstrakt in der Portfoliotheorie statt, sondern halten mit Zertifikaten tatsächlich Einzug in das private Anlagedepot.

Die Fragen stellte Daniel Zwick.

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