Paradigmenwechsel
Investieren in die Aktien von Wachstumsstars

Anleger, die gerne Risiken eingehen, um eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen, setzen auf eine denkbar einfache Strategie: "Growth". Der beliebte Anlagestil, bei dem in Unternehmen investiert wird, die stärker wachsen als die breite Masse, hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Wandel vollzogen.
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FRANKFURT. Die Strategie ist denkbar einfach: Man investiert in Unternehmen, die in den vergangenen Jahren schon weitaus stärker als die breite Masse gewachsen sind und setzt darauf, dass sie dies auch in Zukunft tun werden. Dann fallen auch die Renditen, die mit solchen Aktien zu erzielen sind, überdurchschnittlich hoch aus. Dass diese Aktien wegen ihrer Erfolge aus der Vergangenheit nicht ganz günstig und die Kurse schon relativ hoch sind, wird im Zweifel vernachlässigt.

"Growth" heißt dieser Anlagestil, der in der Börsentheorie als Gegenstück zum populären Value-Ansatz gilt, mit dem sich der Anleger eher auf die Suche nach unterbewerteten und damit günstigeren Aktien begibt. Der Growth-Ansatz hat im Vergleich zur Value-Strategie stets etwas Spekulatives. Anko Beldsnijder vom Fondshaus Mainfirst, der seit mehr als 15 Jahren erfolgreich und hochdekoriert mit dem Growth-Ansatz arbeitet, lässt diese weit verbreitete Aussage allerdings nicht gelten: "Was ist Growth? - Qualität", fragt er und gibt sich gleich selbst die Antwort.

Fünf Kriterien ist er dabei über die Jahre treu geblieben: Zuerst verlangt er von einem Unternehmen das konsequente Handeln im Interesse der Aktionäre, zudem eine dominante Marktposition im Sektor, ein nachvollziehbares und verlässliches Gewinnwachstum, das über dem Branchendurchschnitt liegt, eine hohe Qualität des Managements sowie den strategischen Einsatz von Informationstechnologie für den entsprechenden Wettbewerbsvorteil. Zu seinen Positionen im Depot zählen so bekannte Namen wie Bayer, Nestlé, Credit Suisse und Münchener Rück. "Quality Growth" nennt er diesen Ansatz deswegen.

Diese Namen verdeutlichen, welchen Paradigmenwechsel der Growth-Ansatz in den vergangenen zehn Jahren durchgemacht hat. Stand der Begriff damals vor allem für Unternehmen, die ihr Geld mit Software, Informationstechnologie, Internet, Biotechnologie oder Telekommunikation verdienen, so gelten die Aktien vieler Firmen aus diesen Branchen längst nicht mehr als klassische Growth-Papiere. Die Wachstumsfantasien von einst sind verflogen, schon vor Jahren sind die Aktienkurse vieler Unternehmen aus diesen Branchen abgestürzt; viele der Papiere sind inzwischen eher für Value-Investoren interessant. Ein gutes Beispiel dafür ist der Telekom-Sektor, der zur Jahrtausendwende, beflügelt durch neue Technologien wie UMTS, an der Börse unaufhaltsam schien. Schnee von gestern. In den Indizes von MSCI sind inzwischen dreimal so viele Telekom-Werte im entsprechenden Value-Index vertreten wie im Growth-Barometer.

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