Positive Signale
China rollt den Metallmarkt auf

An den Metallmärkten stabilisieren sich die Preise auf niedrigem Niveau. Der Preisverfall, der sich bis Anfang des Jahres abgezeichnet hatte, ist weitgehend gestoppt. Analysten geben sich für das kommende Jahr sogar wieder optimistisch. Von 2010 an rechnen sie mit einer Fortsetzung des jüngsten Aufschwungs. Aus Asien und da besonders aus China soll diesmal die Nachfrage nach Industriemetallen kommen.
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FRANKFURT. Lange Zeit hatten die schwache Auftragslage und entsprechend hohe Lagerbestände der Metall verarbeitenden Industrie auf die Preise gedrückt. Vom zyklischen Hoch waren sie daher um 60 bis 70 Prozent gefallen, was Anleger viel Geld gekostet hat. Voreilig wurde davon gesprochen, die These vom Superzyklus, also dem dauerhaften Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen für Kupfer, Aluminium, Blei, Zink und Zinn gelte nicht mehr.

Doch die These stimmt noch immer: Einige Metallpreise sind zuletzt wieder kräftig gestiegen. Ein wesentlicher Grund hierfür ist in der Lernfähigkeit der Minengesellschaften zu sehen: Sie haben auf den massiven Rückgang der globalen Nachfrage mit einer ebenso raschen Kürzung ihrer Kapazitäten zu reagiert. Dies hat den Markt in jüngster Zeit wieder besser ins Gleichgewicht gebracht.

Vor allem der Kupferpreis ist dank der Nachfrage Chinas wieder nach oben geschnellt. Seit dem zyklischen Tief im Dezember 2008 ist er um 65 Prozent auf mehr als 3 000 Dollar pro Tonne gestiegen. Die Kupfer-Nettoimporte Chinas erreichten im Mai Rekordstände: 337 Mio. Tonnen fragte das Land auf dem Weltmarkt nach. Im Vormonat April waren es 318 Mio. Tonnen.

Doch das ist kein Grund zur Euphorie. Insgesamt fällt der weltweite Kupferverbrauch im laufenden Jahr um vier Prozent. "Ohne die starke Nachfrage aus China läge der Nachfragerückgang bei rund zehn Prozent", sagt Jorge Beristain, Analyst bei der Deutschen Bank.

Den Preis für die Nicht-Eisenmetalle bestimmt der Handel an der LME, der Londoner Metall Börse. Und dort wird noch traditionell gehandelt: Auf einem roten, runden Sofa sitzen sich die Metall-Großhändler täglich zweimal gegenüber und rufen sich die Order gestenreich zu. Neben London wird auch in den USA an der Comex (New York Commodity Exchange) und in Asien an der SHFE (Shanghai Futures Exchange) mit den Metallen gehandelt.

Wie viele andere Rohstoffe auch notieren die Industriemetalle in Futurekontrakten. Das sind Vereinbarungen über die Lieferung von einer Tonne des jeweiligen Metalls zu einem bestimmten Termin. An der LME handeln Rohstoffproduzenten und-verarbeiter täglich die Preise für Drei-Monats-Kontrakte aus. Sie vereinbaren also die physische Lieferung in drei Monaten.

Für private Anleger kommt diese Form der Spekulation jedoch nicht infrage. Sie haben keinen Zugang zu den Futuremärkten der LME, sondern können über "Exchange Traded Commodities" (ETC) direkt auf die Wertentwicklung von Industrierohstoffen setzen. ETC sind eine Mischung aus börsengehandelten Indexfonds (ETF) und Zertifikaten. Zudem können auch Zertifikate an der Performance teilnehmen. Indirekt profitieren Aktienfonds mit den jeweiligen Rohstoffminen im Portfolio von einer möglichen Preissteigerung.

Zurück zu den ETC. "Bilanzrechtlich sind sie wie Zertifikate zu behandeln, sachlich ähneln sie den ETF", erklärt Michael Geister von ETF Securities. Geht ein ETC-Emittent bankrott, zählt das Geld der Anleger zur Konkursmasse und die Papiere verfallen. "Aber eine spezielle Treuhänder-Struktur schließt das Emittentenrisiko bei unseren ETCs aus", sagt Geister. Sein Haus bedient sich dazu eines Treuhänders, bei dem es im Namen der Investoren Sicherheiten hinterlegt. "Damit bieten wir den gleichen Ausfallschutz wie beim Sondervermögen von Fonds", sagt er.

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