„Quantitative Analyse“
Renditeträchtige Rasterfahndung

So richtig angefangen hat es in Deutschland erst vor ein paar Jahren. Seit Finanzdienstleister die Bilanzkennzahlen börsennotierter europäischer Unternehmen auf Tastendruck zur Verfügung stellen, kommen nur Titel ins Portfolio, die bestimmte Anforderungen erfüllen. „Quantitative Analyse“ nennen Anlageprofis das.

DÜSSELDORF. Seit hier zu Lande Finanzdienstleister wie Bloomberg oder Datastream die Bilanzkennzahlen Tausender börsennotierter europäischer Unternehmen auf Tastendruck fertig aufbereitet zur Verfügung stellen, können Fondsmanager so systematisch wie nie zuvor Werte nach bestimmten Kriterien durchforsten. Ins Portfolio kommen nur Titel, die bestimmte Anforderungen erfüllen. Der Rest fällt durch den Rost. „Quantitative Analyse“ nennen Anlageprofis das. Auf den Bestenlisten der Ratingagenturen tauchen Fonds, die nach dieser Methode bestückt werden, auffallend häufig auf – und es gelingt ihnen oft über längere Zeit, den Vergleichsindex zu schlagen.

Dabei sind die „Quantitativen“ streng genommen gar keinem festen Anlagestil zuzuordnen. Je nachdem, welche Philosophie der Manager verfolgt, ob ihm rasches Wachstum (Growth), die jüngste Kurs-Entwicklung (Momentum) oder die Suche nach Schnäppchen (Value) wichtiger ist, fördert der Computer ganz andere Titel zu Tage. Doch meist verfolgen die Fondsmanager eine Wert-Strategie, vielleicht gepaart mit einer Beobachtung des Kursschwungs – beides Konzepte, die nachgewiesenermaßen eine überdurchschnittliche Rendite versprechen.

„Die quantitative Methode ist weder gut noch schlecht“, sagt der New Yorker Vermögensverwalter Michael Keppler, der vor allem institutionelle Kunden bedient. „Es kommt darauf an, was Sie damit machen.“ Wenn man Menschen bloß einen tollen Computer gebe, dann reiche das nicht. Es komme darauf an, den Schrott auszusortieren, „und der macht ungefähr 90 Prozent des Angebots aus“. Das Programm, nach dem die „Quantitativen“ ihre Auswahl treffen, ist deshalb das A und O. Kein Manager lässt sich dabei in die Karten schauen, um sich vor Nachahmern zu schützen.

In den vergangenen Jahren gehörten Wertinvestoren wie Keppler, die mit quantitativer Methode arbeiteten, zu den Siegern. Es gab aber auch andere Zeiten. Keppler, der hauptsächlich institutionelle Anleger wie Pensionsfonds bedient, gesteht ein, dass er Ende der 90er-Jahre, als nur noch die Wachstumstitel nach oben rauschten, mit seiner Auswahl wesentlich schlechter abgeschnitten habe als der Markt. Inzwischen sei er längst wieder vorne. Die Wertinvestoren gehen davon aus, dass der Aktien-markt nicht effizient ist, sondern viele Titel falsch bewertet. Die Korrektur nach oben oder unten komme erst im Lauf der Zeit. Der Anlagestil verlangt deshalb einen längeren Zeithorizont.

Unabhängig von der Philosophie zeichnen sich quantitativ zusammengestellte Portfolios durch eine eher niedrige Schwankungsbreite aus. Das liegt daran, dass oft hundert oder gar noch mehr Werte ins Portfolio wandern. Entsprechend breit sind solche Portfolios gestreut. „Es herrscht das Gesetz der großen Zahlen“, sagt Fondsmanager Klaus Telöken, der bei Allianz Global Investors die systematische Aktienanlage verantwortet. „Dadurch erreichen Sie eine sehr breite Streuung.“ Selbst wenn nur wenig mehr als 50 Prozent der ausgewählten Titel Treffer seien, lasse sich damit schon der Markt schlagen. „Sie müssen das System nur oft genug spielen.“

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