Reinhard H. Schmidt
„Die Suche nach dem Trick bleibt erfolglos“

„Die beste Anlagestrategie – insbesondere für nicht-professionelle Anleger – ist immer noch Buy and Hold“, sagt Reinhard H. Schmidt. Im Interview spricht der Professor für Bank- und Finanzwesen in Frankfurt über Risiken und gibt Ratschläge.
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Handelsblatt: Herr Schmidt, immer mehr Anleger verlassen sich bei der Aktienauswahl auf Anlagestile wie Value oder etwa die Momentum-Strategie. Macht eine derartige Ausrichtung Sinn?

Reinhard H. Schmidt: Ich denke, sie macht in einer Welt mit weitgehend informationseffizienten Kapitalmärkten keinen Sinn. Die beste Anlagestrategie – insbesondere für nicht-professionelle Anleger – ist immer noch „Buy and Hold“: Man kauft ein gut, auch international diversifiziertes Portfolio aus Aktien und festverzinslichen Titeln, das an die persönliche Risikoneigung angepasst ist, und hält es langfristig. Wer glaubt, dass „Value Investing“ besonders gute Risiko-Ertragskombinationen bringen würde, übersieht wirksame Risikofaktoren. „Growth“ scheint immer gut, ist es aber nicht, jedenfalls dann nicht, wenn andere Anleger das Wachstumspotenzial auch erkennen können. An „Momentum Investing“ scheiden sich die Geister: Vielleicht gibt es da Chancen, da die Anleger wohl doch ein gewisses Herdenverhalten an den Tag legen. Das führt zu kurzfristigen Trends, die ein kluger Investor ausnutzen könnte. Aber man weiß leider nicht, wie lange Trends anhalten. Ich wäre da auch sehr skeptisch.

Konnte denn der Erfolg dieser Strategien statistisch nachgewiesen werden?

Ganz gewiss nicht! Lange Zeit waren die empirisch-statistischen Befunde eindeutig: Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten in Kursverläufen, die Anleger nicht nur erkennen, sondern auch ausnutzen können. Kurse verlaufen wie vom Zufall getrieben – „Random Walks“ – aber das ist nicht blinder Zufall, sondern das Ergebnis von Gleichgewichtstendenzen. Heute ist man da etwas vorsichtiger geworden, Rückblickend kann man wohl auch Trends und dergleichen erkennen, aber der überwiegende Teil der Forschungsergebnisse lässt den alten Befund weiter gelten, und Anleger sollte am besten davon ausgehen, dass dies richtig ist. Experimentieren kann sehr teuer werden.

Sind derartige Untersuchungen nicht immer vergangenheitsbezogen?

Ja genau, man kann nie wissen, wie lange in der Zukunft bestimmte erkennbare und zugleich ausnutzbare Gesetzmäßigkeiten von Kursverläufen bestehen bleiben.

Gibt es denn Anlagestile, die in der Wissenschaft als besonders erfolgversprechend gelten?

Die Antwort ist eindeutig: Die beste Anlagestrategie ist kaufen und halten oder „Passive Investments“. Es hat keinen Sinn zu denken, man wäre klüger als alle anderen Anleger und könnte dadurch an der Börse reich werden.

Was würden Sie den Anlegern abschließend raten?

Zwei Ausgangstatsachen sind zu bedenken: Aktien sind eine gute Anlage, sie bringen langfristig deutlich mehr als Festverzinsliche. Und die meisten Anleger sind risikoscheu, wenn auch mitunter überoptimistisch. Deshalb drei Ratschläge: Erstens gut diversifizieren, um unnötige Risiken zu vermeiden. Zweitens das Risiko des persönlichen Gesamtportfolios möglichst gut an die eigene Risikobereitschaft anpassen. Drittens kein Geld verschwenden durch die letztlich meist erfolglose Suche nach dem besonderen, vermeintlich todsicheren „Anlagetrick“.

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