Risiko Scheidung
Wenn ein Vertrag wichtiger als ein Ring ist

Risiko Scheidung: Das Ausharren in einer kaputten Ehe lohnt sich nicht. Jedenfalls nicht, wenn es um die Altersrente geht. Welche Vorbereitungen Frauen treffen können, um die Folgen einer gescheiterten Ehe finanziell kalkulierbar zu machen.

KÖLN. Der Vergleich zur Börse drängt sich auf: Wer trennt sich schon beherzt von einer einbrechenden Aktie, obwohl dies häufig sinnvoll wäre. Man hofft dann länger, als es vernünftig wäre, dass sie sich rasch erholt. Und spürt doch längst, es ist vorbei.

Das gibt’s auch in der Ehe, dieses Aussitzen beim Kurseinbruch. Wenn dann auch noch die Rechtsanwältin rät: „Bleiben Sie so lange wie möglich verheiratet“, rechne ich vor, dass das nicht lohnt. Jedenfalls nicht bei der Altersrente.

Bei einer Scheidung werden die in der Rentenzeit erworbenen Ansprüche geteilt. Angenommen, er verdient als Angestellter den Höchstsatz für die gesetzliche Rentenversicherung von 5 250 Euro brutto. Dann steigt seine Rente ab 65 jedes Jahr um 55,83 Euro. Arbeitet seine Ehefrau nicht rentenversicherungspflichtig, wird dieser Satz halbiert. Ihr stehen demnach 27,92 Euro monatliche Rente für jedes zusätzliche Ehejahr zu. Erreicht sein Einkommen dagegen beispielsweise nur den Durchschnitt aller Beitragszahler/-innen von 2 452 Euro brutto, steigt für jeden die monatliche Rente um gerade mal 13,07 Euro für jedes weitere Jahr, das sie gemeinsam durchgehalten haben.

Interessanterweise sind in Ländern, in denen es kein Ehegattensplitting, keine Steuerklasse V und keine beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt, nicht nur Geburtenraten und Frauenerwerbsquoten höher, sondern auch die Scheidungsraten. Schließlich können Frauen, die wirtschaftlich unabhängig sind, eher so leben, wie sie es für richtig halten. Auch Männer müssen nicht allein aus finanzieller Rücksicht wie Unterhaltsverpflichtungen oder Rententeilung an einer überlebten Ehe kleben. Wenn beide weiter verdienen wie bisher, stürzt keine Seite nach der Trennung ins finanzielle Elend.

Frauen, die sich hier zu Lande für die traditionelle Rollenverteilung in der Ehe entscheiden und ihre Erwerbstätigkeit aufgeben, gehen das größte finanzielle Risiko ihres Lebens ein. Der Börsencrash, der zum Totalverlust des hohen Einsatzes führen kann, ist dann die Scheidung. Immer weniger Frauen sind daher dazu bereit, dauerhaft als Hausfrau auf den eigenen Beruf zu verzichten.

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