Rohstoffe
Beim Ölpreis regiert das Prinzip Hoffnung

Der Ölpreis scheint seiner Zeit voraus zu sein. Konjunkturhoffnungen machen die Runde, Indikatoren für ein tatsächliches Anspringen der Wirtschaft gibt es aber nicht. Es droht ein Rückgang, sagen Experten. Dreht jetzt die Stimmung am Markt? Über die Hintergründe einer rasanten Berg- und Talfahrt.
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DÜSSELDORF. Es ist viel zu schnell gegangen, darin sind sich die Experten einig. Der Anstieg des Rohölpreises auf über 70 Dollar hat nicht nur die meisten Prognosen übertroffen. Nach Einschätzung von Analysten fehlt ihm - zumindest bislang - auch die fundamentale Grundlage. Anleger, die auf weiter steigende Rohölpreise setzen, sollten daher vorsichtig sein.

Seit Jahresbeginn hatte sich Rohöl bis auf 73 Dollar je Barrel (159 Liter) verteuert. Sowohl das US-Leichtöl WTI als auch das europäische Brentöl hatten die Hürde von 70 Dollar mühelos genommen. Ende vergangener Woche drehte dann die Stimmung am Markt und drückte die Notierungen wieder unter 70 Dollar je Barrel. Zuletzt pendelten beide Richtsorten um 68 Dollar. Doch von den letztjährigen Höchstpreisen waren die Ölpreise ohnehin noch weit entfernt.

Anfang Juli 2008 kostete ein Barrel Öl mehr als 140 Dollar, so viel wie niemals zuvor. Die konjunkturelle Schwäche und der damit verbundene Einbruch der Nachfrage hatte die Ölpreise dann nahezu ungebremst auf eine Talfahrt geschickt, die erst im Dezember bei rund 35 Dollar stoppte. Seither ging es wieder nach oben.

Ursache für die Preisaufschläge waren immer wieder aufflammende Konjunkturhoffnungen, die neben Öl beispielsweise auch die Aktienkurse nach oben getrieben haben. Stephen Thornber, er leitet das Ölresearch bei der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle, blickt daher auf die Märkte insgesamt. Der Anstieg der Ölpreise gehe mit einer Verteuerung anderer Rohstoffe und "einer Rückkehr des Risikoappetits" der Anleger einher.

Der zuletzt gesehene Rückschlag spiegele aber gleichermaßen wider, "dass die Preisbewegungen mehr durch Stimmungen, Zuversicht und Finanzinvestoren getrieben wurden als durch fundamentale Daten". Dieses Wechselspiel zwischen Vertrauen und Risikoappetit wird laut Thornber noch so lange anhalten, bis mehr Klarheit über die wirtschaftliche Entwicklung herrscht.

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