Rohstoffe
Rendite auf dem Holzweg

In schweren Zeiten zählt Beständigkeit. Als die Finanzkrise losbricht und die Aktien- und Anleihekurse weltweit in den Keller rauschen, gewinnt ein Rohstoff an Bedeutung: Holz. Immer mehr Anleger wollen in Werte investieren, die sie sehen, anfassen und verarbeiten können. Die Aussicht, dass die Inflationsraten in den kommenden Jahren deutlich steigen könnten, dürfte das Interesse der Investoren noch verstärken.
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OTTAWA. Die Finanzbranche hat Holz längst als neuen Anlagetrend ausgerufen. Auch Privatanleger können mittlerweile über Zertifikate oder Fonds an der Wertentwicklung von Forstgebieten teilhaben. Holzkenner kaufen sich gleich ein eigenes Waldstück. Wunderrenditen sollten Anleger aber nicht erwarten. In Europa und Nordamerika fallen sie mit rund drei Prozent eher bescheiden aus. Höhere Gewinne dagegen versprechen Forstgebiete in Schwellenländern wie China oder Brasilien. Der Erntezyklus dort ist kürzer; das bringt höhere Erträge. Allerdings ist das Risiko auch ungleich höher, vor allem wegen Rechtsunsicherheiten, was die Eigentumsfrage betrifft.

Wer in die Anlageklasse Holz investiert, sollte Grundlagen der Waldwirtschaft kennen. Vom Säen und Pflanzen über das Wachsen bis hin zur Ernte und zur Verarbeitung der Bäume zu Holz oder Zellstoff vergehen in der Regel weit mehr als zehn Jahre. Dies erfordert von Anlegern eine Menge Geduld.

Unternehmen aus der Forstbranche erzielen Erlöse, indem sie in jedem Jahr die größten Bäume fällen, das daraus gewonnene Holz verkaufen und entstehende Forstflächen zur Wiederaufforstung nutzen. Doch für die Branche gibt es seit geraumer Zeit eine neue Einnahmequelle - den Vereinten Nationen (Uno) sei Dank. In der Wiederaufforstung tätige Firmen erhalten im Rahmen des Kyoto-Protokolls der Uno Emissionskredite - sogenannte Certified Emission Reductions (CER). Da Waldbestände letztlich zu einer Verringerung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes führen, erhalten Waldbesitzer solche Gutschriften, die dann in Form von CER-Zertifikaten an Klimabörsen wie der European Climate Exchange (ECX) oder der European Energy Exchange (EEX) zu Geld gemacht werden können.

Wer aber glaubt, Waldinvestments seien überhaupt nicht von der Weltwirtschaftskrise getroffen, ist auf dem Holzweg. Der Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes macht der Branche schwer zu schaffen. Weil immer weniger gebaut wird, sind die Holzlager voll. In Nordamerika, einem der wichtigsten Märkte, gehen immerhin 50 Prozent des produzierten Holzes in den Wohnungsbau. Die Lage sei angespannt, sagt Steve Chercover von D.A. Davidson. "Von 2,2 Millionen Bauten sind wir innerhalb kurzer Zeit auf 500 000 zurückgegangen."

Zwar ist im Juni die Zahl der neu begonnenen Projekte im US-Wohnungsbau leicht gestiegen, auf den Bauholz-Futures hatte dies aber kaum positive Auswirkungen. Gerade einmal 186 US-Dollar werden derzeit an der Chicagoer Rohstoffbörse für 1 000 Boardfeet (etwa 2,36 Kubikmeter) Bauholz bezahlt. Allzu bald dürfte sich daran nichts ändern. Shin Murphy, Präsident des Beratungsunternehmens Futures Technology, rechnet erst Mitte kommenden Jahres mit deutlich höheren Preisen für Bauholz. "Diejenigen, die kaufen wollten, haben gekauft", sagt Murphy. Mitte nächsten Jahres könnten dann aber wieder Preise zwischen 250 und 280 Dollar erzielt werden.

Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Baubooms in den USA 2004 wurden Bauholz-Futures mit Spitzenpreisen um 450 US-Dollar für 1 000 Boardfeet gehandelt.

Wenig Freude hatten im vergangenen Jahr auch Anleger, die sich Aktien von Unternehmen aus der Holzbranche ins Depot gelegt haben: Während der Dow Jones um 34 Prozent absackte, verloren die 100 größten Unternehmen der Branche sogar rund 50 Prozent an Börsenwert, von 240 auf etwa 120 Mrd. US-Dollar. Zwar haben die Aktien der Holzunternehmen - wie der gesamte Markt - seit März deutlich zugelegt. Der rasante Absturz in 2008 zeige aber das Ausmaß der Skepsis über die Gewinnaussichten der Branche, heißt es beim Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers.

Anleger, die ihr Depot sicherer machen wollen, sollten deshalb besser die Finger von Aktien aus der Branche lassen und besser direkt in ein Forstgebiet investieren. Denn die wichtigste Ertragsquelle ist nicht der Holzpreis, sondern der Preis des Bodens und die stetig wachsende Zahl von Bäumen. Experten sprechen vom "biologischen Zins". Fällt der Holzpreis wie derzeit, werden weniger Bäume abgeholzt; die Landeigner warten einfach bessere Zeiten ab.

Mitarbeit: Udo Rettberg

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