Rohstoffinvestments
Knappheit stützt die Metallpreise

Die Preisausschläge an der Londoner Metallbörse sind heftiger geworden: Die Nachfrage der Schwellenländer ist groß, die Produktionskapazität weiter gering. Doch gerade diese Konstellation macht Basismetalle zum interessanten Spekulationsobjekt.
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LONDON. Auf der „Metals Week“ im Oktober in London herrschte noch Gelassenheit. Von einem bevorstehenden „Crash“ der seit sieben Jahren boomenden Industriemetalle wollten die dort versammelten Analysten, Händler und Produzenten nichts wissen. Zwar schlossen sie eine vorübergehende Korrektur durch eine Wirtschaftsabschwächung in den USA nicht aus, sie vertrauten aber auf die rapide wachsenden Wirtschaften Chinas und Rest-Asiens als Garanten für weiter stabile Preise. Nicht zuletzt wegen der Kurseinbrüche der Börsen Anfang des Monats regt sich aber hier und da regt erste Besorgnis, dass diese Korrektur nicht mehr weit sein kann. Schließlich deutete der OECD-Wachstumsindikator, Composite Lead Indicator (CLI/sechs Monate) im September erstmals seit Mitte 2005 nach unten.

Die Preisausschläge an der Londoner Metallbörse, LME, sind heftiger geworden. So brach der Kupferpreis allein in der ersten Novemberwoche um sechs Prozent ein. Doch die Marktteilnehmer wissen, dass Korrekturphasen binnen Wochen 30 bis 40 Prozent der kurz zuvor erreichten Rekordnotierungen förmlich „wegrasieren“ können. Ein Beispiel dafür bietet Kupfer. Das meist gehandelte Basismetall, zog in den letzten 18 Monaten von 4 500 auf den Spitzenwert von 8 500 Dollar je Tonne an. Aktuell notiert es knapp über 7 000 Dollar. Der Metall-Gesamtindex an der LME schlug seit Jahresbeginn von einem Tief von 95 Punkt bis zu einem Höchst von 125 Punkten aus – stärker als jeder Aktienindex.

Und doch glauben Analysten an eine konstante, grundsätzliche Stärke bei den Metallen. Diese sei das Ergebnis einer schon seit Jahren andauernden schleppenden Ausweitung der Produktionskapazitäten und der zunehmenden Schubkraft der Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran die sogenannten BRICs – Brasilien, Russland, Indien und China.

Neil Buxton von der Beraterfirma GFMS Metals in London setzt wie viele seiner Kollegen auf eine „De-Synchronisierung“ der Weltwirtschaft. Heißt: Was in den USA, in der Euro-Zone und Japan an Wirtschaftswachstum verloren geht, gleichen China und die übrigen Schwellenländer mit ungestümem Wachstum aus. Das Riesenreich verschlingt bereits ein gutes Fünftel des Weltangebots an Basismetallen. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage Chinas noch auf absehbare Zeit die Metallpreise stützen wird“, meint Bonnie Liu, Chinaexperte von Macquarie Research. Selbst wenn Peking die Zinsschraube anziehen sollte, um einer Überhitzung entgegenzuwirken, werde das Wachstum 2008 noch acht bis neun Prozent erreichen und die Industrieproduktion um mindestens 18 Prozent zunehmen.

Der Einfluss Chinas zeigt sich beispielsweise bei Blei. Das Metall erzielte 2007 den größten Preisanstieg unter den Nicht-Eisenmetallen (NE-Metallen). Binnen Jahresfrist hat es sich um mehr als das Doppelte verteuert. Hauptgründe sind starke Lieferkürzungen einer Mine in Australien wegen Problemen mit dem Umweltschutz – und China. „Der rapide wachsende Batteriebedarf für den Antrieb von Millionen E-Fahrrädern dort beginnt zunehmend den Weltmarktpreis für Blei zu beeinflussen“, sagt Robin Bhar von der UBS in London.

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