Ruifan Zhang
„Verteuerung der Nahrungsmittel steht im Fokus“

Ruifan Zhang ist Rohstoff-Analystin bei Goldman Sachs in London. Im Handelsblatt-Interview spricht sie über das Potenzial von Sojabohnen, über politische Widerstände gegen Treibstoff vom Acker und über die Zukunft von Ethanol.
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Handelsblatt: Welcher Agro-Energierohstoff hat in den nächsten zwölf Monaten das größte Potenzial?

Ruifan Zhang: Sojabohnen. Sojaöl ist ein Bestandteil von Biodiesel, zudem profitiert Sojamehl von dem Wachstum der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China). Die höhere Nachfrage nach Fleisch zieht einen stärkeren Bedarf an Sojamehl nach sich. Sojamehl ist ein wichtiges Futtermittel.

Werden die politischen Widerstände gegen Treibstoffe vom Acker zunehmen?

Das könnte passieren. Die Verteuerung von Nahrungsmitteln steht immer mehr im Fokus des öffentlichen Interesses und der Politik. Zurzeit ist die Biosprit-Produktion wirtschaftlich und existenzfähig. Dafür gibt es zwei Gründe: die hohen Ölpreise und die staatlichen Subventionen für den Sektor. Nach unserer Einschätzung ist das Ende der hohen Ölpreise aber absehbar. Doch die Subventionen werden wohl nicht so schnell auslaufen. Denn die hohen Nahrungsmittelpreise nutzen letztlich den heimischen Farmern, die wiederum über einige politische Macht in den USA und Europa verfügen.

Ab wann wird es möglich sein, Ethanol aus Zellulose und Pflanzenabfällen im industriellen Maßstab zu gewinnen?

Nicht in der nahen Zukunft. Diese Technologie ist teuer und befindet sich noch im Anfangsstadium. Und, wie bereits bemerkt, sorgen die hohen Ölpreise zusammen mit den Subventionen dafür, dass die Biosprit-Produktion zurzeit kostendeckend zu arbeiten scheint. Die Investitionen in eine solche Technologie würden höhere Erträge erfordern. Auf Grundlage der aktuellen Biosprit-Preise sind solche Investitionen – ohne staatliche Hilfe – viel zu teuer. Daher: Ja, Ethanol aus Zellulose mag eine langfristige Lösung sein, wegen der aktuellen Preise wird sich aber kurzfristig nichts ändern.

Wie würde sich ein solcher Technologiesprung mittelfristig auf die Preise auswirken?

Diese Technologie gilt als kapitalintensiv. Die Preise für Biosprit würden tendenziell steigen. Die Kosten für die Rohstoffe selbst, etwa für Pflanzenbestandteile, sind recht gering.

Wann rechnen Sie mit einem funktionierenden Weltmarkt für Ethanol oder Biodiesel?

Wegen der Handelsbarrieren sind dies regionale Märkte. Die USA erheben beispielsweise eine Einfuhrsteuer für Ethanol aus Brasilien von 54 Cent je Gallone. Solche Barrieren sollen die heimischen Erzeuger schützen, die höhere Produktionskosten haben. Daher gibt es auch für Brasiliens Zucker-Ethanol nur eine geringe weltweite Nachfrage. Wir erwarten auch nicht, dass diese Barrieren schon bald fallen werden.

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