Schweden
Krone mit vielen Zacken

Die globale Finanzkrise belastet die schwedische und norwegische Währung deutlich stärker als noch vor einigen Monaten von Analysten erwartet wurde. Beide skandinavischen Länder sind Exportnationen und leiden deshalb besonders stark unter der sinkenden Nachfrage des Auslands. Die dänische Krone ist von der Talfahrt aber nicht so stark betroffen wie ihr schwedisches Pendant.
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STOCKHOLM. „Der Krone steht noch eine schwere Zeit bevor“, sagt Marcus Hallberg, Währungsexperte bei Handelsbanken in Stockholm. Die dänische Krone ist von der derzeitigen Talfahrt nicht so betroffen, da die Zentralbank in Kopenhagen die Währung mit einer relativ engen Schwankungsbreite an den Euro gekoppelt hat. Die Schwedenkrone verlor dagegen allein im vergangenen Jahr knapp 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro. Und auch diese Woche ging die Talfahrt weiter. Der Absturz gegenüber dem Dollar ist noch bemerkenswerter: In nur einem Jahr sackte die Krone rund ein Viertel ihres Wertes gegenüber dem Greenback ab – ein Kurschart mit vielen Zacken.

Profitieren können die großen Exportunternehmen, wie etwa der Pkw-Bauer Volvo nicht von der schwachen Krone. Zwar sind die Produkte im Ausland billiger geworden. Allerdings ist die Nachfrage – beispielsweise nach Autos – vollständig zusammengebrochen.

Der Grund für den starken Fall der Krone ist vielschichtig: Experten betonen, dass kleinere Währungen in Krisenzeiten stets zugunsten des Dollars oder Euros an Wert verlieren. Aber es gibt in Schweden auch hausgemachte Probleme. Drei der vier großen Banken des Landes, Swedbank, SEB und Nordea, haben sich stark im Baltikum engagiert. Swedbank und SEB sind in Estland, Lettland und Litauen absolut dominierend. In den vergangenen Jahren haben die schwedischen Banken enorm vom Aufschwung im Baltikum profitiert. Doch seit die überhitzten Wirtschaften in Estland und Lettland zusammengebrochen sind, ist die Furcht vor hohen Kreditverlusten gestiegen.

Zwar hat die schwedische Regierung zwei große Hilfsprogramme für die Banken beschlossen, doch beruhigt hat das den Kronenkurs nicht. Ein Grund für das fortgesetzte Misstrauen ist der steile wirtschaftliche Abschwung: Schon im dritten Quartal 2007 verzeichnete Schweden eine Rezession, die für dieses Jahr auf rund 1,5 Prozent beziffert wird. Nach einer Kündigungswelle fast aller großen namhaften Konzerne wie Ericsson, Volvo, Electrolux und SAS befürchten Experten, dass die Arbeitslosigkeit im Wahljahr 2011 auf elf Prozent steigen könnte.

Die Zentralbank in Stockholm senkte in der vergangenen Woche den Leitzins auf den historisch niedrigen Stand von nur einem Prozent. Stärken konnte die Krone aber auch das nicht. Derzeit müssen etwa 10,80 Kronen für einen Euro gezahlt werden, genauso viel wie vor der Leitzinssenkung. Im Januar 2007 bekam man den Euro noch für 9,20 Kronen.

Besserung ist nicht in Sicht. Zwar halten die Experten der Helaba den Kursfall nicht für gerechtfertigt, doch gleichzeitig gehen auch sie von einem Schrumpfen der schwedischen Wirtschaft in diesem Jahr um rund 1,5 Prozent aus. Nur die Analysten von Goldman Sachs können sich eine Stärkung der Krone mittelfristig um etwa zehn Prozent vorstellen. Wer aber nun meint, die rekordschwache Krone hätte eine intensive Debatte über die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung ausgelöst, der irrt gewaltig. Zwar will die derzeitige bürgerliche Koalitionsregierung einmal mehr Vor- und Nachteile eines Beitritts zur Währungsunion untersuchen, doch jüngste Meinungsumfragen sehen die Euro-Gegner mit rund 55 Prozent immer noch klar in der Mehrheit.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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