Schwellenländer
Anlagestrategien und Fallstricke

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Abwertungsdruck

Eine mögliche Anlagestrategie in Südamerika ist, darauf zu setzen, dass die lokalen Währungen in Brasilien, Mexiko und Chile unter Abwertungsdruck geraten. Davon würden die Exportunternehmen profitieren – das sind einerseits Rohstoffkonzerne wie der Zellulosehersteller Aracruz Celulose und der Erzproduzent CVRD aus Brasilien. Niedrigere Produktionskosten nutzen auf der anderen Seite aber auch Rohstoff verarbeitende Unternehmen: Das gilt für Lebensmittelexporteure wie Perdigão und Sadia (beide Brasilien) und den Weinproduzenten Concha y Toro (Chile). Auch die wenigen High-Tech-Exporteure – beispielsweise der Flugzeugbauer Embraer – würden bei einer Realschwäche wegen sinkender Kosten wettbewerbsfähiger.

Binnenwachstum

Eine weitere Strategie ist, auf das Binnenwachstum zu setzen, insbesondere in Brasilien. Allerdings fällt bei den Konsumaktien die Auswahl schwer: Die Blue Chips unter ihnen wie beispielsweise der Bierkonzern Ambev sind bereits teuer. Oder sie stehen unter hartem Wettbewerbsdruck – wie die Lebensmittelkette Pão de Acucar durch Carrefour und WalMart . Telekom- und Stromkonzerne warten auf staatliche Regelungen. Auch die Stahlkonzerne wie CSN, welche die boomenden Automobil- und Küchengerätehersteller beliefern, sind bereits stark im Wert gestiegen. Potenzial besitzt dagegen noch Usiminas.

Infrastruktur

Interessant sind auch Infrastrukturaktien. Schließlich müssen alle Länder Südamerikas dringend in bereits jetzt überlastete Straßen, Schienen, Häfen und Flughäfen sowie die Energieversorgung investieren. In Brasilien sind der Stahlhersteller Gerdau, der Schienenbetreiber ALL sowie Petrobras interessant. In Argentinien dürfte der Röhrenhersteller Tenaris von der zunehmenden Energievernetzung in Südamerika profitieren.

Kleine Börsen

Außer in São Paulo, Mexiko-Stadt und Santiago sind lateinamerikanische Börsen für ausländische Anleger kaum interessant, da sie zu wenig Liquidität und Größe aufweisen. Anleger laufen hier Gefahr, in Krisenzeiten auf ihren Investments sitzen zu bleiben, weil sie keine Käufer finden.

Wechselkurs

Wer direkt in Lateinamerika investiert, geht neben dem Kursrisiko auch ein Währungsrisiko ein. Eine Alternative ist, in lateinamerikanische Aktien zu investieren, die im Ausland gelistet sind. Etwa als ADR an der Wall Street, im Freihandel in Deutschland oder an der auf Latino-Aktien spezialisierten Börse in Madrid. Allerdings handelt es sich dabei fast ausschließlich um Blue Chips.

Volatilität

Starke Kursschwankungen gehören in Lateinamerika zum Alltag. Die Aktien reagieren heftig auf politische Krisen oder Veränderungen am Rohstoffmarkt.

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