Schwellenländer
Hoffnungswerte für Anleger

Als es in den vergangenen Wochen in den führenden Finanzzentren der Welt wackelte, wurde es auch in den Schwellenländern ruppig. Die Krise am Markt für zweitklassige amerikanische Hypotheken hat auch an den Börsen der aufstrebenden Märkte in Asien, Osteuropa, Lateinamerika und Afrika Spuren hinterlassen. Doch so anfällig wie noch vor einem Jahrzehnt sind sie längst nicht mehr. Das macht Fondsmanager euphorisch.
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FRANKFURT / DÜSSELDORF. Im Gegensatz zu früheren Börsenturbulenzen fielen die Verluste in den Schwellenländern diesmal allerdings nicht viel höher aus als an den etablierten Märkten. Zwar fiel der MSCI Emerging Markets Index in der Spitze um 19 Prozent, während etwa der Dax nur 11,5 Prozent nachgab, aber auch die Erholung fiel wesentlich deutlicher aus. Anlageexperten werten das als positives Zeichen: „Ich sehe die Krise nicht als großes Problem, sondern als Chance“, sagt Jim O'Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs. „Es zeigt sich, dass die Emerging Markets erheblich stabiler geworden sind.“

Verglichen mit den Börsen der Industriestaaten gelten die Schwellenmärkte aber nach wie vor als eine spekulative Anlageklasse, in der ein höheres Risiko mit üppigeren Renditen bezahlt wird. Eine allgemein gültige Definition des Begriffs „Schwellenland“ gibt es nicht. Häufig werden hierunter aber Staaten mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen unter 10 000 Dollar gefasst, die dank eines überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums auf der Schwelle vom Entwicklungs- zum Industrieland stehen. In die Gruppe fallen Staaten wie China, Russland, Indien oder Brasilien ebenso wie kleinere Staaten, etwa Bulgarien, Rumänien und Vietnam.

Die immensen Wachstumsraten in vielen Schwellenländern – in Indien etwa zog das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 9,3 Prozent an, in China gar um 11,9 Prozent – und ihre zunehmende Bedeutung im Welthandel machen diese für Anleger attraktiv. „Schwellenländer sind die Gewinner der Globalisierung und nicht mehr die Armenhäuser der Weltwirtschaft. Das Potenzial ist nach wie vor gewaltig“, sagt Dietmar Hornung, Schwellenländer-Experte der Dekabank. Zumal sich die fundamentalen Daten vieler Emerging Markets deutlich verbessert haben: „Die meisten Schwellenländer haben heute Überschüsse in der Leistungsbilanz. Der hohe Finanzierungsbedarf, der in früheren Krisen die Währungen einstürzen ließ, ist damit nicht mehr gegeben“, sagt Hornung. Hinzu komme die positive Ratingentwicklung. In den vergangenen Jahren habe es in den Schwellenländern fast durchweg Heraufstufungen der Bonitätsnoten gegeben.

Gleichwohl sehen Experten kurzfristig noch Gefahren für die Emerging Markets: „Es ist immer noch eine Menge Unsicherheit im Markt“, sagt Oliver Stönner-Venkatarama, Schwellenländer-Experte der Fondsgesellschaft Cominvest. „Wenn weitere Schockwellen durch das Finanzsystem gehen, werden sich die Emerging Markets dem nicht entziehen können“, schließt sich Hornung an.

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