Schwellenländer
Mexikos Bindung zu den USA ist Chance und Risiko zugleich

Die mexikanische Börse ist auf Rekordkurs: Der IPC-Index der Bolsa de Valores (BMV) legte zwischen Anfang 2004 und Ende 2006 rund 135 Prozent zu. In diesem Jahr geht die Rally wegen der Turbulenzen an den internationalen Börsen zwar gebremst weiter, seit Jahresbeginn hat der Index aber bereits wieder 15 Prozent hinzugewonnen.
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MEXIKO. „Mexiko hat gesunde Unternehmen, attraktive Branchen und Banken ohne Probleme“, fasst Damian Fraser, Chefanalyst für Lateinamerika bei UBS Warburg in Mexiko-Stadt die Vorteile dieser Anlageregion zusammen. Hinzu kämen gesunde makroökonomische Daten wie ein geringes Haushaltsdefizit, niedrige Zinsen und eine überschaubare Inflation.

Ein Zeichen für die Attraktivität des Standorts sind auch die anhaltend hohen ausländischen Direktinvestitionen – sie fließen hauptsächlich in den Manufaktursektor sowie den Bank- und Versicherungsbereich. Fast zwei von drei Dollar kamen dabei aus den USA, dem mit Abstand wichtigsten Wirtschaftspartner Mexikos. Beide Länder sind seit 1994 gemeinsam mit Kanada in der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta vereint.

Diese enge Anbindung an die Vereinigten Staaten, mit denen Mexiko über 80 Prozent seines Außenhandels abwickelt, ist nach Meinung der Experten größtes Plus und Achillesferse des Schwellenlandes zugleich. „Noch immer bekommt Mexiko eine Lungenentzündung, wenn die USA einen Husten haben“, hebt UBS-Analyst Fraser hervor. Die starke Abhängigkeit führt in diesem Jahr dazu, dass die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas aufgrund der schwächeren US-Konjunktur so gering wächst wie sonst keine in Lateinamerika.

Nachteile sehen Experten wie der unabhängige Wirtschaftsexperte Ignacio Beteta in den für privaten Investitionen verschlossenen Bereichen: Vor allem der Energiesektor, in dem ein staatliches Monopol dominiert, ist praktisch für privates Kapital verschlossen. In der Telekommunikation verfügt der Multimilliardär Carlos Slim über ein Quasi-Monopol auf die Festnetztelefonie. Ausländische Beobachter kritisieren als Standortnachteile zudem die hohe Korruption und die Kriminalität, da diese die Produktionskosten in die Höhe trieben. Manche Regionen, vor allem im Norden des Landes, sind zudem Terrain der Rauschgiftkartelle. „Der Kampf gegen die Organisierte Kriminalität ist eine der größten Herausforderungen Mexikos“, betont Beteta.

Chancen sieht Fraser von UBS Warburg derzeit noch im Mobilfunksektor. Auch wenn die Zeit der ganz großen Gewinne für die Unternehmen vermutlich vorbei sei, gebe es hier noch Luft nach oben. América móvil beispielsweise, der Mobilfunk-Marktführer in Lateinamerika, habe hervorragende Zahlen vorgelegt. Darüber hinaus lohnten Investitionen in den Konsumsektor. Ein Geheimtipp sind die Betreibergesellschaften von Regionalflughäfen, da der Markt für Billigflieger in Mexiko weiter wächst.

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