Sechs Fragen an: Christian Michel
Fondsanalyst: „Verluste sind kein Grund zur Sorge“

Fonds mit Schwerpunkt Euro-Staatsanleihen haben in diesem Jahr Verluste von knapp zwei Prozent gemacht. Christian Michel, Fondsanalyst bei Feri Rating & Research, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, worauf Anleger beim Fondskauf achten sollten.

Handelsblatt: Fonds mit Schwerpunkt Euro-Staatsanleihen haben in diesem Jahr im Schnitt Verluste von knapp zwei Prozent gemacht. Müssen Anleger Angst haben?

Michel: Unter der Prämisse, stets positive Renditen erzielen zu wollen, ist der Verlust natürlich ärgerlich für jemanden, der am Jahresanfang einen Rentenfonds gekauft hat. Aber auf Sicht von mehreren Jahren ist es unwahrscheinlich, mit einem solchen Fonds Verlust zu machen.

Warum?

Im Schnitt haben Euro-Rentenfonds eine Volatilität von nur 2,5 Prozent. Das ist sehr gering im Vergleich zu anderen Anlageklassen. Verluste können zwar nicht ausgeschlossen werden, dennoch gelten Euro-Staatsanleihen als konservative Instrumente. Hinzu kommt die Tatsache, dass bei solchen Produkten kein Währungsrisiko für den Anleger vorhanden ist.

Aber Anleger würden doch besser fahren, wenn sie direkt Staatsanleihen an Stelle eines Fonds kaufen.

Das sehe ich nicht so. Fondsmanager können die Duration, also die Zinssensitivität des Portfolios, professionell steuern und somit das durch Zinsveränderung am Kapitalmarkt entstehende Kursrisiko reduzieren. In Zeiten steigender Zinsen schwenken sie auf kürzere Laufzeiten mit geringerem Kursrisiko um und umgekehrt. Durch Diversifikation über verschiedene Emittenten und unterschiedliche Laufzeiten lässt sich das Risiko für den Anleger weiter reduzieren. Außerdem können die Fonds oft noch etwas höher rentierliche Zinspapiere wie Pfandbriefe, Genussscheine, Unternehmensanleihen oder strukturierte Anleihen guter Bonität beimischen und so die Performance des Portfolios verbessern.

Worauf sollten Anleger beim Fondskauf achten?

Im derzeitigen Umfeld ist es – gerade bei einem kürzeren Anlagehorizont – besser, auf Rentenfonds zu setzen, die ihren Schwerpunkt auf Kurzläufern haben oder die Duration sehr aktiv steuern können. Wer sein Geld im Rahmen von regelmäßigen Sparplänen investieren möchte, kann ruhig auch schon wieder in andere Rentenfonds investieren.

Wie lange sollte man einen Rentenfonds mindestens halten?

Wir empfehlen mindestens drei Jahre, für konservative Anleger sind aber fünf Jahre Minimum. Kürzere Haltedauern lohnen sich nicht, allein schon wegen der Gebühren beim Kauf und dem erhöhten Risiko der Kurzfrist-Anlage.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Staatsanleihe-Fonds zu kaufen?

Im Moment wäre ich noch vorsichtig. Das Umfeld ist noch schwierig. Unser volkswirtschaftliches Research erwartet, dass es in Euro-Land eine Leitzinserhöhung von derzeit 2,75 auf drei Prozent gibt. Wenn sich ein Ende des Zinserhöhungszyklus absehen lässt, ist wieder eine bessere Zeit, um Anleihen und Anleihefonds zu kaufen.

Die Fragen stellte Andrea Cünnen.

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