Sechs Fragen an: Hartmut Graf
„Es gibt noch viele weiße Flecken“

Hartmut Graf ist Leiter des Indexgeschäfts der Deutschen Börse. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die schier unübersichtliche Anzahl an Indizes und über weitere Themen und Regionen auf die sich der Indexgedanke ausweiten lässt.

Herr Graf, weltweit gibt es Hunderttausende Indizes. Verlieren Anleger bald den Überblick?

Nein, denn einerseits bieten die bekannten Indizes wie Dow Jones oder Dax den meisten Anlegern die gewünschte schnelle Orientierung oder den einfachen Marktzugang. Andererseits kommen Anbieter mit neuen Indizes nur den Ansprüchen von Lizenznehmern aus der Finanzwelt nach. Deren Interessen sind vielfältig: So kann ein Index eine Branche oder eine neue Region für Fonds oder Zertifikate abdecken, oder als Messlatte für Erträge und Risiko dienen.

Gibt es denn noch Bereiche, in denen das bestehende Universum nicht ausreicht?

Auf jeden Fall. Wir beobachten zwei Innovationstreiber: Zum einen lässt sich der Indexgedanke auf neue Themen und Regionen ausweiten, angefangen von Themen wie Ökologie über Regionen wie Subsahara-Afrika oder die Golfregion. Es gibt noch immer viele weiße Flecken auf der Landkarte, die wir füllen. Zum anderen gibt es noch einen großen Spielraum, bestehende Indexkonzepte zu verbessern oder innovative Strategien abzuleiten.

Wie sieht das konkret aus?

In den vergangenen Jahren hat sich die Orientierung an der Marktkapitalisierung - also die Zahl der handelbaren Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs - für die Gewichtung von Aktienindizes wie etwa den Dax etabliert. Zu diesem Vorgehen gibt es Alternativen, etwa eine Gewichtung anhand der Dividendenrendite, anhand des Risikos der enthaltenen Werte oder schlicht die Gleichgewichtung aller Aktien.

Wird der Dax bald abgelöst?

Nein, denn die Alternativen erweitern die Palette an Investmentstrategien, aus denen ein Anleger wählen kann, ohne dass die Bedeutung des Dax dadurch sinkt. Anleger erhalten mehr Handlungsoptionen.

Wird die schiere Zahl der Indizes einmal sinken?

Indizes von geringer Qualität werden verschwinden, etwa wenn sie intransparent zusammengesetzt oder unklar berechnet werden. Generell steigt jedoch die Nachfrage nach Indizes. Immer mehr Anleger erkennen, dass letztlich die Wahl des richtigen Index entscheidend für die langfristigen Renditen ist.

Kommt es unter den Anbietern zu einem Konzentrationsprozess?

Ich glaube nicht, denn die Indexanbieter haben klare Schwerpunkte in der Weiterentwicklung gesetzt. So deckt Stoxx, als Joint Venture zwischen der Deutschen Börse und Schweizer Börse und der Dow Jones & Company das europäische Universum ab, während die Deutsche Börse nationale und globale Indizes entwickelt und beide in ihrem Universum neue Strategieindizes.

Die Fragen stellte Christian Kirchner.

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