Sechs Fragen an: Heinrich Bockholt
„Zinsoption mit fester Zusage“

Heinrich Bockholt ist Leiter des Instituts für Finanzwirtschaft an der Fachhochschule Koblenz. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie sicher die Produkte deutscher Bausparkassen sind und wie sich diese in den kommenden Jahren entwickeln werden.

Wie krisensicher sich deutsche Bausparkassen und ihre Produkte?

Sie sind sehr krisensicher, weil es ihnen verboten ist, in spekulativen Anlagen wie Derivaten aktiv zu werden. Ferner gibt es seit 1991 durch das Bausparkassengesetz die Pflicht, dass die Institute Rückstellungen bilden. Damit soll gewährleistet werden, dass die Bauspardarlehen zum prognostizierten Zeitpunkt auch relativ sicher vergeben werden können.

In der jetzigen Finanzkrise ist vieles denkbar ...

Bausparkassen sind aufgrund des Bausparkassengesetzes davon nicht betroffen.

Aber einmal angenommen, die Kunden würden plötzlich streiken. Was passierte, wenn von heute auf morgen keine Bausparverträge mehr abgeschlossen würden?

Dann ist das Bausparkollektiv durch diese Rückstellungsverpflichtung seit 1991 so stabilisiert worden, dass die Bauspardarlehen relativ sicher weiter ausbezahlt werden können. Nur, für neue Geschäfte wird es dann natürlich dünn.

Die Bausparkassen werben stark mit der staatlichen Förderung. Was passierte, wenn diese wegfiele?

Dann sind sie noch stärker als bisher gezwungen, sich auf ihre Stärke, die Baufinanzierung im zweiten Rang, zu konzentrieren und auch damit zu werben. Denn die Bausparkassen bieten ihren Kunden ein Zinssicherungsgeschäft an: Bausparen ist ein Zinsoptionsgeschäft mit der festen Zusage einer Finanzierung im zweiten Rang. Schwierig ist es dann, wenn ein Kunde nicht baut. Dann gerät ein Bausparvertrag im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen ins Hintertreffen.

Wie werden sich Bausparkassen und ihre Produkte in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Ich kann mir vorstellen, dass ein Wahltarif, bei dem das Darlehen über die Bausparsumme hinaus aufgestockt werden kann, eine größere Rolle spielen wird. Aber da sind die Bausparkassen selbst am Zug. Zudem wird es durch das Eigenheimrentengesetz - gleich Wohn-Riester - neue Tarife geben. Ich schätze, dass die Guthabenverzinsung weiter relativ niedrig bleibt und sich im Bereich von 0,5 Prozent bis zwei oder maximal drei Prozent bewegen wird. Es kommt auf den Einzelnen an, wie er das Zinsänderungsrisiko einschätzt, vor allem für das Darlehen. Ich schätze auch, dass in nächster Zeit die Zinssätze für Darlehen im ersten und zweiten Rang weiter steigen werden. Dann kann das Zinsänderungsrisiko zugunsten von Bauspardarlehen ausschlagen.

Heißt das, Bausparverträge bleiben konkurrenzfähig?

Ja, wenn die Bausparkassen das auch weiter gut darstellen. Da ist aber noch einiges von ihrer Seite zu tun.

Die Fragen stellte Christoph Sandt.

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