Sechs Fragen an: Thomas Gerhardt
„Es darf auch etwas mehr sein“

Die Schwellenländer boomen und sind nicht mehr so anfällig für Finanzkrisen wie noch vor zehn Jahren. Thomas Gerhardt, Thomas Gerhardt, Leiter Emerging Markets Aktien und Fondsmanager des DWS, über Engagements in jungen Märkten, die Regionen mit den besten Chancen und was Anleger beachten sollten.
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Auch die Emerging Markets haben kräftig verloren. Haben sich die Investoren endgültig verabschiedet?

Nein, die Investoren haben mittlerweile realisiert, dass – solange die USA nicht in eine tiefe Rezession abgleiten – die Rahmendaten in den Emerging Markets äußerst positiv sind. Es kam zwischenzeitlich lediglich zu einer Reaktion: Die Investoren haben die Aktien verkauft, mit denen sie die größten Gewinne realisieren konnten.

Was spricht für weitere Engagements in diesen Märkten?

Was bisher auch dafür sprach. Darüber hinaus die Tatsache, dass die Länder eine viel stärkere Eigendynamik entwickelt haben. Die Konsumnachfrage im Inland wächst in vielen Ländern zweistellig. Als weiterer Wachstumsmotor kommen Infrastrukturausgaben hinzu. Ein Beispiel ist Russland: Hier werden die Öleinnahmen in den Ausbau des Stromnetzes investiert.

Welche Region bietet die besten Chancen?

Asien, mit Fokus auf die bevölkerungsreichen Länder mit starker Inlandsnachfrage wie Indien, China, Vietnam, Indonesien. In Osteuropa hauptsächlich Russland und die Türkei. Brasilien bleibt wegen der Agrarindustrie und der Rohstoffe weiterhin sehr beliebt.

Wo liegen die größten Risiken?

Die größten Risiken sehe ich in einer Rezession in den USA sowie einer Aktienmarktblase in China.

Was sollten Anleger bei Engagements in den Schwellenländern grundsätzlich beachten?

Dass diese mittlerweile ein „Muss“ in jedem Depot sind. Anderenfalls verschläft man die Realität. China wird in naher Zukunft Deutschland als Nummer drei der Weltwirtschaft und Exportweltmeister ablösen. Der Anleger sollte den Anlagehorizont nicht zu kurz wählen. Ich empfehle immer fünf Jahre oder mehr. Die positive Entwicklung verläuft nicht linear, Korrekturen gehören zu den Aktienmärkten und sind – im Sinne einer Bereinigung übertriebener Reaktionen – gesund. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Gut gelaufene Assetklassen korrigieren meist am stärksten, erholen sich aber auch am stärksten.

Wie hoch sollte der Anteil von Emerging-Markets-Anlagen im Portfolio sein?

Die Faustregel sollte sein: Er sollte dem Anteil der Emerging Markets am Weltbruttosozialprodukt entsprechen. Ich empfehle immer 15 bis 20 Prozent, es darf aber auch etwas mehr sein. Die Gewichtung sollte die rasant wachsende Bedeutung der Emerging Markets in der Welt widerspiegeln.

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