Sechs Fragen
Interview: „Die Gefahren lauern auf der Zinsseite“

Klaus Oster, Leiter der Abteilung Credit Research bei Deka Investment, spricht im Interview über fallende Unternehmensbonds und erklärt, warum sie weniger unter Risikoscheuen Investoren leiden, als Aktien.

Die Kurse von Unternehmensbonds sind seit Mai gefallen. Droht eine so schlechte Stimmung wie zuletzt bei Aktien?

Nein, generell sind Unternehmensbonds weit weniger schwankungsanfällig als Aktien, daher werden sich die Kursverluste in Grenzen halten. Die Risikoscheu der Investoren ist zwar gestiegen, aber darunter leiden Unternehmensanleihen bei weitem nicht so stark wie Aktien, weil Zinspapiere – gerade mit Ratings im sicheren Investment-Grade – von der Flucht der Anleger in die Qualität profitieren. Deshalb war der Kursrückgang bei Firmenbonds auch nicht so groß.

Unter dem Strich haben Anleger aber mit Unternehmensanleihen leichte Verluste gemacht.

Das stimmt für Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Aber immerhin sind die Verluste geringer als bei Staatsanleihen, weil die höheren Zinsscheine der Corporates die Verluste zum Teil ausgleichen. Und bei Unternehmensanleihen aus dem Non-Investment-Grade machten Anleger bislang noch einen ordentlichen Gewinn, weil die hohen Zinskupons die Kursrückgänge überkompensiert haben.

Werden Anleger denn mit Unternehmensanleihen am Ende doch noch gut dastehen?

Das ist schwer zu sagen. Im Investment-Grade wird es auch entscheidend von der weiteren Zinsentwicklung abhängen, ob sich am Ende ein positiver Gesamtertrag erzielen lässt. Bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen dagegen sollte unter dem Strich ein Plus bleiben.

Wo liegen die größten Gefahren für die weitere Entwicklung?

Eindeutig auf der Zinsseite. Wenn die Notenbanken die Leitzinsen weiter erhöhen und auch die Renditen von sicheren Staatsanleihen steigen, werden Firmenbonds weniger attraktiv. Aber derzeit sind die Renditen der Staatsanleihen im historischen Kontext weiterhin relativ niedrig und sollten es im Großen und Ganzen auch bleiben. Auf der anderen Seite profitieren die Unternehmen und ihre Anleihen von der recht robusten Konjunktur und der Suche gerade der institutionellen Anleger nach Zusatzrendite.

Sind die Risikoprämien angemessen?

Ich würde sagen ja. Wir hören oft, dass die Risikoprämien für Euro-Unternehmensanleihen historisch niedrig sind. Diese Aussagen sind aber kritisch zu werten, weil wir einen liquiden Euro-Markt erst seit 1999 haben und die Risikoaufschläge nach dem Platzen der New-Economy-Blase und dann auch nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in die Höhe schnellten. Dies waren jedoch Ausnahmesituationen, die nicht als genereller Maßstab zu interpretieren sind. Der Blick in die USA – ein Markt mit deutlich längerer Historie – zeigt, dass die Risikoaufschläge wie zum Beispiel Mitte der neunziger Jahre durchaus für längere Zeit niedrig bleiben können.

Unternehmensanleihen sind also eine Überlegung wert?

Natürlich, und zwar auch für Privatanleger. Unternehmensanleihen im Investment-Grade bieten je nach Laufzeit und Qualität aktuell einen Aufschlag von etwa einem halben bis ganzen Prozentpunkt; im Non-Investment-Grade sind die Aufschläge noch höher. Hier sollten Privatanleger aber vom Einzelkauf absehen, weil die Auswahl sehr schwierig und die Ausfallgefahr prinzipiell viel höher ist, obwohl es zuletzt kaum Ausfälle gab.

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