Sichere Geldanlagen
Der Bausparvertrag - ein angestaubter Klassiker

Für den einen verspricht er schnelles Geld, für den anderen eher das Gegenteil – trotzdem mögen ihn beide: den Bausparvertrag. Er beschert dem Vertreter eine gute Provision; dem Bausparer verheißt er ein günstiges Darlehen für die eigenen vier Wände. Doch ist der Bausparvertrag nur ein einfaches Produkt, das zur Immobilienfinanzierung taugt? Oder lohnt er sich gerade in krisenhaften Zeiten auch noch als Geldanlage?

DÜSSELDORF. Verbraucherschützer Arno Gottschalk ist skeptisch, ob sich der Bausparvertrag zur Geldanlage eignet. Noch nicht einmal deshalb, weil der Bausparexperte der Verbraucherzentrale Bremen Fälle auf den Tisch bekommt wie den jener Frau, der fixe Vermittler im vergangenen Jahr zwei Bausparverträge mit einer Bausparsumme von 104 000 Euro verkauft hatten. Klar, die gut 1 000 Euro Abschlussgebühr für die abenteuerlich hohe Bausparsumme waren leicht verdientes Geld – zunächst. Aber das Alter der Dame – 84 Jahre – ließ die Bausparkasse dann schließlich einsehen, dass die Beratung ihrer Vermittler suboptimal war – und sie stornierte das Geschäft auf sanftes Drängen des Verbraucherschützers.

Denn ein wichtiges Merkmal des Bausparvertrag ist: Es dauert – gut und gerne 15 Jahre und mehr. In der Regel spart der Kunde sieben Jahre an. So lange muss er zumindest einzahlen, um in den Genuss der staatlichen Förderung zu kommen. Damit das versprochene Darlehen zum festen Zins aufs Konto fließt, muss der Bausparer 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme eingezahlt haben. Beträgt diese zum Beispiel 30 000 Euro, muss er 12 000 Euro ansparen und erhält dann ein Bauspardarlehen über 18 000 Euro. Die Abschlussgebühr von rund 300 Euro entspricht in den sieben Ansparjahren für einen Ledigen dabei ziemlich genau der staatlichen Förderung.

Zwar sind dies noch die eher einfachen Komponenten eines Bausparvertrages. Aber schon bei den Grundkenntnissen hapert es bei vielen, wie Verbraucherschützer Gottschalk fast schon resigniert feststellt. So hielt er vor kurzem einen Vortrag vor einer Gruppe von Zwanzigjährigen. Seine Frage, wer denn einen Bausparvertrag habe, bejahte immerhin jeder Dritte. Auf die Frage nach dem Guthabenzins herrschte allerdings Schweigen.

Und das ist ein zentraler Kritikpunkt, nicht nur der Verbraucherschützer. Die Guthabenverzinsung der aktuellen Tarife ist niedrig. Sie schwankt meist zwischen 0,75 und 1,5 Prozent – wenn man das Bauspardarlehen tatsächlich in Anspruch nimmt. Verzichtet man darauf, steigen die Renditen, wie Finanzexperte Max Herbst errechnet hat – denn paradoxerweise zahlen viele Bausparkassen einen Bonus dafür, dass sie kein Darlehen vergeben müssen.

Also versucht die Branche, Kunden eher mit einem Sparvertrag denn mit einem Bausparvertrag zu ködern – bis zum Jahresende zumindest, und mit großem Werbeaufwand. Denn wer bis Silvester einen Bausparvertrag abschließt, darf nach sieben Jahren weiterhin die Förderung einstreichen und das Bausparguthaben nach Gutdünken verwenden. Wer ab 1. Januar unterschreibt, muss das Geld für „wohnwirtschaftliche Zwecke“ ausgeben, also für Renovierung oder Finanzierung eben. Sonst kassiert der Staat die Förderung wieder ein. Nur wer seinen Vertrag im jugendlichen Alter von unter 25 Jahren unterschreibt, braucht auch weiterhin nicht für eine Immobilie zu sparen. Konsequent ist das nicht, eher ein Erfolg der Bausparlobby. „Es kann doch nicht sein, dass der Staat die Stereoanlage finanziert“, schimpft Finanzexperte Herbst.

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