Sicherheit bei der Altersvorsorge
Deutsche setzen auf den Sparplan

Nach den schweren Einbrüchen der Finanzmärkte passen für viele Sparer Investitionen am Kapitalmarkt und eine vernünftige Altersvorsorge nicht mehr so recht zusammen. Sie gehen jetzt auf Nummer sicher und entscheiden sich für einen privaten Banksparplan. Dieses fast in Vergessenheit geratene Vorsorgemodell erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
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FRANKFURT. Der Grund für die wieder zunehmende Attraktivität von Sparplänen hängt mit deren sehr hohen Sicherheitskomponente zusammen. "Banksparpläne sind neben Bundeswertpapieren die sicherste und kosteneffizienteste Form der Geldanlage, die trotz ihrer überschaubaren Renditen derzeit eine wahre Renaissance erleben", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Zudem genießen Inhaber rein privater Banksparpläne anders als bei staatlich geförderten Riester-Sparplänen, die fest unter Kontrolle der Sparkassen und Genossenschaftsbanken liegen, wesentlich mehr Freiheiten. Denn es ist allein dem Sparer überlassen, wann und wofür er das Geld zum Laufzeitende nutzt. Sparpläne mit staatlicher Riesterförderung sehen ihre Auszahlung dagegen ausschließlich ab Renteneintritt und dann hauptsächlich in Form von regelmäßigen Rentenzahlungen vor.

Postbank-Produktmanager Holger Jünke versteht Banksparpläne als Ergänzungsprodukt. Ein gesondertes Tagesgeldkonto oder ein individuell gestalteter Fondssparplan seien sinnvoll, um flexibel auch mal höhere Einmalbeträge zur Seite zu legen. Renditechancen im Tages- und Festgeldbereich seien für bereits vorhandene Sparbeträge ungleich höher, da sie für Banken durch den höheren Mittelzufluss weitaus attraktiver seien, so Jünke.

Private Banksparpläne eignen sich besonders auch für ältere Sparer, die nur noch wenige Jahre bis zu ihrem Renteneintritt haben, denn hier fallen keine hohen Gebühren oder Aufschläge an. Die kostengünstigen Sparpläne bewerben die Banken nur selten aktiv, denn die Institute verdienen an den über Jahre hinweg sukzessiv eingezahlten Sparguthaben nur wenig. "Leider wissen viele Bankkunden nicht um die Vorteile der Banksparpläne, weil sie von Bankberatern schlicht nicht angeboten werden", sagt Castello.

Beim Sparplan gehen festgelegte, regelmäßige Einzahlungen aufs Konto, die über Jahrzehnte hinweg fortgeführt werden können. Die einzelnen Sparplanmodelle unterscheiden sich jedoch maßgeblich in ihren Laufzeiten, den monatlichen Mindesteinzahlungen sowie in der jährlichen Grundverzinsung. Der Basiszinssatz wird je nach Bankangebot entweder vor Vertragsabschluss mit einer garantierten Zinstreppe festgelegt oder variabel an einen Marktzins angebunden. Viele Banken zahlen zudem je nach Länge der Laufzeit einen ansteigenden Bonus aus. Hier liegt der Teufel im Detail: Komplizierte Klauseln und Strukturen machen die Verträge schwer vergleichbar. Zudem gibt es nur wenige wirklich gute Angebote. Viele Banken speisen ihre Kunden bei den für sie wenig lukrativen Verträgen mit lächerlich niedrigen Zinsen ab. Der Durchschnitt von 25 aktuellen Sparplanangeboten liege selbst bei einer Laufzeit von zehn Jahren gerade mal bei knapp 3,45 Prozent, beobachtet Max Herbst von der FMH-Finanzberatung.

Experten raten vor allem von Verträgen ab, die eine lange Vertragsbindung ohne vorzeitige Kündigungsoption beinhalten. Zumal es sich finanziell nicht rentiert, sich bei der Laufzeit festnageln zu lassen. Die Sparpläne der Deutschen Bank und der Direktbank ING Diba etwa geben einen Festzins vor und schließen eine vorzeitige Kündigung aus, trotzdem sind ihre Konditionen nicht besser als andere Verträge mit flexibler Laufzeit. Über zehn Jahre bietet die Deutsche Bank vier Prozent, die ING Diba gar nur 3,7 Prozent Zinsen. Wer den Vertrag vorab kündigt, wird mit einem herben Zinsabschlag bestraft.

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