Sieben Fragen an: Christian Hofmann
„Chinas Börsen feiern ihre eigene Party“

Die Notierungen in Shanghai eilen von Rekord zu Rekord. Christian Hofmann, Büroleiter der Vermögensverwaltung FIVV AG in Peking, spricht mit dem Handelsblatt über Aktien, die vor allem durch Schlagzeilen beeindrucken und einen möglichen Crash an Chinas Festlandbörsen.
  • 0

Kaufen Sie Aktien in Schanghai und Shenzhen?

Volkswirtschaftliche Trends und Unternehmensentwicklungen sind für uns bei der Titelauswahl entscheidend. Ein Engagement in Schanghai oder Shenzhen ist mit Blick auf die dort erreichten Bewertungsniveaus ausgeschlossen. Wir kaufen China-Werte in Hongkong, Singapur, New York.

Setzen Sie im China-Portfolio auch auf Staatskonzerne?

Wir schließen Staatskonzerne nicht grundsätzlich aus – insbesondere, da sich Sektoren wie Öl oder Versorger so gut wie nur über diese abdecken lassen. Insgesamt liegt der Schwerpunkt unseres Fonds jedoch auf dem Konsumsektor und auf Zukunftsbranchen wie Gesundheit und Umwelt. Von Werten wie China Life oder Chinas Großbanken lassen wir die Finger.

Warum denn, China Life beispielsweise hat doch kräftig zugelegt?

China Life ist ein gutes Beispiel für eine Aktie, die vor allem durch Schlagzeilen beeindruckt. So klingt ein Anstieg des Nettogewinns um rund 120 Prozent für das erste Halbjahr auf den ersten Blick zwar toll. Letztlich basiert dieser Erfolg aber auf Handelsgewinnen an den Börsen in Schanghai und Shenzhen, also auf Aktienspekulationen. Mit Erfolgen im operativen Geschäft hat das nichts zu tun.

Sehen das Chinas Anleger nicht?

Die wichtigste Frage für chinesische Anleger ist, ob Freunde und Kollegen weiterhin kaufen oder ob sie kalte Füße bekommen. Selbstverständlich sollten Anleger beachten, dass jeder Rendite auch ein Risiko gegenübersteht. In Schanghai und Shenzhen haben allerdings die Spekulanten das Ruder übernommen – für Investoren sind dies die falschen Orte.

Heißt das, Sie erwarten einen Crash an den chinesischen Festlandbörsen?

Ja. Die Frage ist nur wann. Momentan wird dieser Gedanke noch verdrängt. Insbesondere der im Oktober anstehende Kongress der Kommunistischen Partei und die Olympischen Spiele im nächsten Jahr dienen den Anlegern als emotionale Stütze. Man redet sich ein, dass der Markt bis dahin eine Einbahnstraße bleibt – immer aufwärts.

Erleben wir nun nach der Internet-Blase eine China-Blase?

Es gibt da einen wesentlichen Unterschied: Bei der Internet-Blase haben die Investoren in Europa und Amerika wirklich an die Geschichte geglaubt. Sie waren der Überzeugung, dass die Welt der Bits und Bytes die Old Economy über Nacht ablösen wird. Chinas Anleger sind da viel pragmatischer. Sie sehen die Börsen eher als Spielkasinos mit dem Unterschied, dass die Chancen für weitere hohe Gewinne überwiegen.

Im Februar folgte dem Einbruch in Schanghai ein weltweiter Kurssturz. Kann sich das wiederholen?

Nein. Die Investoren wissen inzwischen, dass Chinas Börsen ihre eigene Party feiern.

Kommentare zu " Sieben Fragen an: Christian Hofmann: „Chinas Börsen feiern ihre eigene Party“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%