Technische Analyse
Ölpreis: Nur Geduld führt zum Erfolg

140 Dollar kosteten 159 Liter Rohöl im Sommer 2007. Ein Jahr vorher und ein Jahr nachher waren es knapp die Hälfte. Wer das simpelste Motto der technischen Analysen beherzigte, "The trend is your friend" wurde in zwei Jahren gleich zweimal reich. Wer jetzt ein drittes Mal mit Öl reich werden möchte, muss sich in Geduld üben: Seit Januar steigt der Preis zwar, doch langfristig ist die Richtung noch nicht ausgemacht.
  • 0

DÜSSELDORF. Vorweg: Wer mit Öl spekuliert und sich nicht ein paar Fässer in den Keller legen möchte, muss auf den Terminmarkt mit Zertifikaten ausweichen. Um zu vermeiden, dass Anleger tatsächlich Öl geliefert bekommen, schichten die Banken regelmäßig in neue Kontrakte um. Dabei entstehen Umschichtungs- oder Rollverluste, die je nach Differenz zwischen Real- und Terminmarktpreis unterschiedlich hoch ausfallen. Im Extremfall entstehen pro Monat Verluste von zehn und mehr Prozent. Darüber hinaus müssen Anleger das Währungsrisiko einkalkulieren, weil Öl in Dollar gehandelt wird. Wer also auf steigende oder fallende Ölpreise setzt, sollte davon überzeugt sein, dass die Notierungen dynamisch zulegen oder einbrechen. Ansonsten fressen Gebühren und Rollverluste mögliche Gewinne wieder auf.

Trotz dieser Risiken war es im Rückspiegel betrachtet einfach, mit Öl Geld zu verdienen. Als die Konjunktur boomte und alle Welt viel Öl nachfragte, stieg die Notierung auf immer neue Rekordhöhen. Der Trend war jahrelang aufwärts gerichtet, was sich an der steigenden 200-Tage-Linie ablesen ließ. Anleger brauchten nur dem Trend zu folgen und auf steigende Preise zu setzen.

Doch die wenigsten spielten mit und standen auf der richtigen Seite. "Woche für Woche verweigerten sich Anleger dem klaren Trend. Kaum jemand glaubte an immer neue Rekordpreise", erinnert sich Sentix-Experte Patrick Hussy. Sentix fragt wöchentlich Kleinanleger und Profis, ob sie mit steigenden oder fallenden Kursen rechnen. Klare Mehrheitsprognose damals: Die Ölpreise werden fallen.

Schuld daran war die Verankerungsheuristik. Dabei geht es um den Anker und seine Rolle im täglichen Leben. Anleger neigen dazu - so die Theorie in der Psychologie und Wirtschaftswissenschaft - sich feste Bezugsgrößen zu suchen, indem sie gegenwärtige Kursmarken verinnerlichen und als Maßstab für die Zukunft verankern. Die Folgen sind fatal. Sie manipulieren unsere eigentlich oft guten Entscheidungen.

Infolgedessen prognostizierten die meisten Anleger alsbald wieder steigende Ölkurse, nachdem die Notierungen ab Herbst 2008 kräftig ins Trudeln kamen und schließlich sogar wieder auf ihr Ausgangsniveau zurückfielen.

Seite 1:

Ölpreis: Nur Geduld führt zum Erfolg

Seite 2:

Kommentare zu " Technische Analyse: Ölpreis: Nur Geduld führt zum Erfolg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%