TestamentDer Kampf ums Erbe

Die Deutschen erben Jahr für Jahr mehr als 200 Milliarden Euro. Streit unter Hinterbliebenen gehört zum Alltag. Je höher der Nachlass, desto größer das Streitpotenzial. Mit einem Testament lässt sich Streit vermeiden.
  • 2

DüsseldorfDie Verwunderung ist groß: Als der 67-Jährige nach langer, schwerer Krankheit stirbt, müssen seine beiden Töchter aus erster und zweiter Ehe nicht nur feststellen, dass er seine Lebensgefährtin vor einigen Jahren geheiratet hatte. Sie kommen auch im Testament ihres Vaters nicht mehr vor. Enterbt! Die dritte Ehefrau soll alles bekommen – Haus, Bargeld, Kunst, alles in allem ein Vermögen im siebenstelligen Bereich.

Doch damit wollen sich die Töchter nicht abfinden, schließlich steht ihnen zumindest ein Pflichtteil zu. Das sieht die Witwe ihres Vaters anders. Nun wird heftig gestritten. Der Fall beschäftigt seit Monaten die Anwälte und bald wohl auch das Gericht.

Kein Einzelfall, wissen Experten. „Ein typisches Beispiel für ein Testament, das keinen Frieden stiftet“, sagt Thomas Diehn, Geschäftsführer der Bundesnotarkammer in Berlin. „Den Kindern steht ein Pflichtteil zu.“ Da sei Ärger programmiert. 

Kaum ein Thema löst so zuverlässig Familienstreit aus wie die Vermögensnachfolge. Bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland kommt es zum Streit. Das hat eine repräsentative Studie der Postbank ergeben. Übersteigt der Wert des Nachlasses die Summe von 100.000 Euro, sogar in jedem vierten Fall. „Je größer der Nachlass, desto mehr wird gestritten“, sagt Jan Bittler, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV).

Und da es nur bei jeder fünften Erbschaft Alleinerben gibt, ist das Streitpotenzial groß. Häufigste Ursache ist, dass einige Hinterbliebene sich benachteiligt fühlen (73 Prozent). Und immerhin 57 Prozent geben in der Postbank-Studie an, dass die Hinterbliebenen schon vor dem Erbfall zerstritten gewesen seien.

Kommentare zu " Testament: Der Kampf ums Erbe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Thema rückt stark in den Fokus. Denn die Deutschen sitzen auf riesigen Vermögen, die teilweise später nicht so aufgeteilt werden, wie es vorgesehen war. Im Sachwert Magazin hat eine Serie zu dem Thema begonnen:
    www.sachwert-magazin.de
    http://emagazin.sachwert-magazin.de

  • Leider werden in dem Beitrag nicht die Rechte von Pflichtteilsempfängern kommentiert. Mir kommt das Erbrecht wie eine Schweinezucht vor. Die gut geratenen Kinder kommen zur Aufzucht und die weniger gut geratenen in die Wurst.
    Selbst bei eine eidesstattliche Erklärung der Erben - die nicht den korrekten Nachlasswert wiedergibt, da der Wert des Nachlasses für den Pflichtteilsempfänger aus rechtlichen Gründen nicht kontrollierbar ist - wir vor dem Gericht stets ein Vergleich angestrebt, um die fälligen Zinsen nicht bezahlen zu müssen. (Die Angelegenheit wird in die Länge gezogen, obwohl das Pflichtteil sofort fällig ist.)
    Man hat das Gefühl, dass konservative Kreise die Pflichtteilsansprüche grundsätzlich entfallen lassen möchten.

Serviceangebote