Torsten Dennin
„Der Markt ist alles andere als einfach“

„Gerade bei diesen Rohstoffen können die Erträge der Anleger auch negativ sein, obwohl der Preis steigt“, sagt Torsten Dennin. Der Rohstoff-Experte der Deutschen Bank warnt im Interview vor den Risiken, die Investments in „soft commodities“ bergen, erläutert aber auch die Perspektiven, die sie bieten.
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Handelsblatt: Investments in Agrarrohstoffe werden immer beliebter. Teilen Sie auch bei Kaffee, Kakao und Tee diesen Optimismus?

Torsten Dennin: Generell sehe ich in diesen Bereichen auch gute Chancen. Es gibt genug Gründe, die für weitere Preisanstiege sprechen. Viele Anleger vergessen allerdings, dass gerade diese Märkte alles andere als einfach sind.

Wie meinen Sie das?

Gerade bei diesen Rohstoffen können die Erträge der Anleger auch negativ sein, obwohl der Preis steigt. Wer beispielsweise direkt in Kaffee investiert, kauft meistens ein Zertifikat auf einen Kaffee-Kontrakt. Mit diesem werden Preise festgelegt, die bei zukünftigen Lieferungen gezahlt werden müssen. Da momentan etwa für Lieferungen in einem Jahr ein Aufschlag von rund zehn Prozent fällig wird, muss der Preis erst mindestens um diese zehn Prozent ansteigen, bevor der Anleger, der jetzt einsteigt, tatsächlich Gewinne erzielt.

Ansonsten drohen Verluste?

Ja genau. Sogar, wenn der Preis zwischenzeitlich kräftig gestiegen ist, am Ende der Laufzeit des Kontrakts aber wieder auf dem Niveau vom Einstieg des Anlegers liegt, kann das Zertifikat noch deutlich im Minus liegen. Generell müssen Investoren bei den „soft commodities“ daher das Marktgeschehen sehr genau beobachten und schnell reagieren.

Raten Sie Anlegern daher eher von Investments in diese Exoten-Rohstoffe ab?

Nein, überhaupt nicht. Immerhin sind die Perspektiven nicht schlecht. Zudem sind gerade auch Agrarrohstoffe gut geeignet, um das Risikoprofil eines Portfolios zu verbessern. Der Vorteil ist, dass die Rohstoffe nicht von der Entwicklung an den Aktien- oder Rentenmärkten abhängen. An den Rohstoffmärkten sind eben ganz andere Faktoren wie etwa das Wetter entscheidend. Wer also in Rohstoffe investiert, koppelt sein Portfolio etwas von der allgemeinen Marktentwicklung ab. Anders sieht es beispielsweise aus, wenn Anleger Rohstoffe meiden und lieber in Aktien von Unternehmen investieren, die beispielsweise mit Kaffee handeln. Auch wenn der Kaffee-Preis bei den Kursen ebenfalls eine Rolle spielt, bleibt die allgemeine Stimmung an den Aktienmärkten immer ein weiterer wichtiger Faktor für die Kursentwicklung.

Welche Rolle sollten Agrarrohstoffe denn im Portfolio einnehmen?

Agrarrohstoffe sind für die meisten Anleger sicherlich nur als Beimischung interessant. In dieser Rolle überwiegen dann die positiven Eigenschaften aber eindeutig.

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