Versicherungen im Alter - Sechs Fragen an: Rüdiger Strichau
„Versicherer sollten auf Fairness setzen“

Rüdiger Strichau ist Versícherungsexperte bei der Verbraucherzentrale in Berlin. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, was sich für die Generation 50 plus beim Versicherungsschutz ändert, welche Policen gekündigt werden können und welche man unbedingt behalten soll.
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Was ändert sich für die Generation 50 plus beim Versicherungsschutz?

Diese Generation ist oft überversichert. Generell gilt: Je älter man wird, umso weniger Versicherungsschutz braucht man.

Was ist der harte Kern eines Versicherungsportfolios der Generation 50 plus?

Unbedingt notwendig ist eine Privathaftpflicht, das gilt völlig unabhängig vom Alter. Hierbei lohnt es sich immer, nach einem günstigen Anbieter zu suchen und gegebenenfalls den Versicherer zu wechseln. Sinnvoll ist in der Regel auch eine Hausratversicherung, um sich gegen Verluste durch Brand, Diebstahl oder Wasserschaden abzusichern. Das gilt für jeden durchschnittlich eingerichteten Haushalt.

Mit dem Alter ändert sich oft das Fahrverhalten, viele fahren seltener und kürzer mit dem eigenen Auto. Wie kann man dann bei der KFZ-Versicherung sparen?

Die KFZ-Versicherung ist ja an das Fahrzeug gebunden, nicht an das Alter. Trotzdem lohnt sich ein Tarifwechsel, wenn man zum Beispiel weniger als 15 000 oder 10 000 Kilometer im Jahr fährt. Dann reduziert sich die Prämie. Es ist aber schwierig, generelle Empfehlungen zu geben, da es keine standardisierten Tarife gibt.

Welche Versicherungen sollte die Generation 50 plus aus ihrem Portfolio herauswerfen?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung verliert mit der Rentenzahlung ihre Bedeutung. Ähnliches kann für die Unfallversicherung gesagt werden, die dann auch nicht mehr benötigt wird, um Lücken durch Verdienstausfall zu schließen. Zudem sollte man den Rechtsschutzvertrag überprüfen.

Für Lebens- und Rentenversicherung zur Altersvorsorge gilt: Wer etwa schon 20 Jahre eingezahlt hat, sollte sie nicht ad hoc kündigen. Er sollte stattdessen genau kalkulieren, ob es sich für ihn persönlich rechnet, sie zum Beispiel noch für zehn oder fünfzehn weitere Jahre laufen zu lassen.

Die Versicherer entdecken zunehmend die Best Agers als Zielgruppe. Auf welche Marketingtricks sollte man auf keinen Fall hereinfallen?

Oft wird eine Sterbegeldversicherung angeboten, die aber wirklich nur in Ausnahmen sinnvoll ist. Nur wer keine Angehörigen belasten und schnell vorsorgen will, sollte sich das überlegen. Für alle anderen ist es besser, im Laufe der Zeit immer mal wieder etwas für den eigenen Tod zurückzulegen.

Ich warne auch sehr davor, bei Zusatzleistungen zur Unfallversicherung sofort zuzugreifen. Man sollte sich kritisch überlegen, ob man diese relativ teuren Leistungen etwa für vorübergehende Pflege wirklich braucht. Oder ob nicht Verwandte und Freunde unter die Arme greifen.

Was vermissen Sie im größer werdenden Markt für diese Generation?

Statt sich neue Produkte auszudenken, sollten die Versicherer auf Fairness, Transparenz und Verständlichkeit setzen. Im Alter braucht man weniger Versicherungsschutz, nicht mehr. Es ist wichtig, das ganz klarzumachen.

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