Vier Fragen an Anita Wagner
„Zahlen sind für die Planung notwendig“

„Frauen fragen sich schnell, ob alle getroffenen Annahmen auch so eintreten werden. Mit dieser Haltung stellen sie sich selbst ein Bein“, sagt Anita Wagner. Im Interview spricht die Unternehmensberaterin über typisch männliches und typische weibliches Verhalten und gibt Tipps für den Umgang mit Banken.
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Handelsblatt: Gibt es Unterschiede zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern?

Anita Wagner: Männer messen Erfolg mit Größe, Umsatz und Wachstum. Für Frauen ist das auch wichtig, darüber hinaus spielt es für sie aber auch eine entscheidende Rolle, ob ihre Angestellten und Kunden wirklich zufrieden sind. Deshalb sind ihre Waren oder Dienstleistungen manchmal günstiger. Dieses fehlende Größendenken kann aber auch dazu führen, dass Frauen sich vor Neuanstellungen von Personal scheuen, auch wenn es längst notwendig geworden ist, oder vor dem Anmieten eines größeren Büros. Oder dass sie an ihre eigene Altersversorgung erst dann denken, wenn gute Gewinne reinkommen. Bei vielen Männern ist dies beim Unternehmensaufbau bereits unverzichtbarer Bestandteil.

Was raten Sie Frauen, die ein eigenes Unternehmen führen, im Umgang mit Banken?

Frauen haben oft kein besonders inniges Verhältnis zu Planungstools oder Controllingsystemen. Dabei ist eine Zukunftsplanung, die auch zahlenmäßig gut erfasst wird, sehr wichtig für sie selbst, aber auch für die Kreditgeber. Frauen fragen sich schnell, ob alle getroffenen Annahmen auch so eintreten werden. Mit dieser Haltung stellen sie sich selbst ein Bein. Denn wer sein Vorhaben nicht klar mit Daten und Fakten beschreiben kann, kann auch nur schwer planen, wohin sich der Laden entwickeln soll.

Führt das auch dazu, dass Frauen schlechtere Konditionen bei den Kreditinstituten erhalten?

Nein. Sowohl bei der Höhe der beantragten Kredite als auch bei der angeblichen Diskriminierung von Frauen durch die Banken hat sich in den letzten Jahren vieles verbessert. Das gilt zumindest für die Regionen, in denen eine entwickelte Dienstleistungs- und Beratungsinfrastruktur existiert.

Einer Untersuchung zufolge kommen Töchter in Familienunternehmen als Nachfolgerinnen seltener zum Zuge als Söhne. Warum?

Da schlagen ganz traditionelle Verhaltensweisen durch. Söhne werden vielfach auch dann bevorzugt, wenn sie weniger geeignet sind als ihre Schwestern. Die Töchter werden bei der Unternehmensnachfolge hingegen meist erst berücksichtigt, wenn der Senior unerwartet beispielsweise durch schwere Krankheit oder Tod ausfällt und der Bruder nicht will oder es keinen gibt. Frauen haben auch dann gute Chancen, wenn es schon immer eine starke Bindung zwischen Vater und Tochter gab. Positiv für Frauen ist auch, wenn rationale Kriterien bei der Suche nach einem Unternehmensnachfolger im Vordergrund stehen. Wenn also Leistung gemessen werden kann und gemessen wird. Übrigens: Viele Frauen, die im elterlichen Betrieb nicht gefördert werden, gründen sehr erfolgreich ihre eigenen Unternehmen.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin

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