Vier Fragen an: Michael Schröder
„Bankaktien sind zurzeit sehr günstig“

In Schwarzafrika gibt vor allem die Börse in Johannesburg den Ton an. Fondsmanager Michael Schröder erklärt, was Südafrika für deutsche Anleger interessant macht und ob es innerhalb des Kontinents Alternativen gibt.
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Die Börse Johannesburg (JSE) eilt seit vier Jahren von einem Hoch zum nächsten. Wie dünn ist die Luft inzwischen?

Die Börse hat sehr stark vom Boom in China profitiert, denn Rohstoffaktien machen noch immer fast die Hälfte des Marktes aus. Aber auch die Industrie- und Finanzwerte haben sich prächtig entwickelt und können heute im Gegensatz zur Vergangenheit ähnliche Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) aufweisen wie die Aktien in den Industrieländern. Aber diese Neubewertungen haben alle Schwellenmärkte erfahren, sie haben sie aufgrund ihrer höheren Wachstumsraten wohl auch verdient.

Sind Rohstoffe noch immer die Triebfeder an der JSE oder gibt es inzwischen Branchen mit mehr Potenzial?

Ich gehe davon aus, dass die Rohstoffpreise auf einem hohen Niveau bleiben werden, schon weil die Nachfrage aus Ländern wie China und Indien wohl noch eine Weile anhalten wird. Besonders günstig sind aber zurzeit die Bankaktien, die aufgrund der steigenden Zinsrate unter Druck geraten waren und dann durch die Hypothekenkrise in den USA unverdient gelitten haben. Das sind hervorragende Unternehmen, deren Gewinne auch weiterhin jährlich um bis zu 20 Prozent zulegen werden. Sie sind mit einem um bis zu 30 Prozent niedrigeren KGV bewertet als der Gesamtmarkt, ihre Dividendenrenditen sind besonders hoch.

Was macht Investitionen in Südafrika für Anleger aus Deutschland interessant?

Neben der Hausse an den Rohstoffmärkten sind vor allem die außerordentlich starken Zuwachsraten attraktiv. Schließlich verzeichnet Südafrika inzwischen seit 56 Quartalen ein ununterbrochenes wirtschaftliches Wachstum. Aufgrund massiver Infrastrukturprojekte sieht es im Moment sogar eher nach einer weiteren Beschleunigung aus. Seit dem Ende der Apartheid 1994 hat sich die konsumfreudige Mittelschicht mehr als verdoppelt. Mit Blick auf die hohe Arbeitslosigkeit, den Mangel an Fachkräften, das unzulängliche Schulsystem und die höchste HIV-Infektionsrate der Welt bleibt aber fraglich, ob der Aufschwung auf Dauer anhalten kann.

Können sich Anleger außer an der Johannesburger Börse überhaupt an anderen afrikanischen Wertpapierbörsen engagieren?

Ich glaube, dass Südafrika als Sprungbrett für den afrikanischen Kontinent dient, ähnlich wie es Hongkong für China war. Südafrikanische Firmen sind heute aus Bergbau, Straßenbau, Transport, Telekommunikation, Medien und Finanzwesen in vielen afrikanischen Staaten nicht mehr wegzudenken. Investitionen in afrikanische Märkte sind schwieriger, weil sie weniger Breite und einen erheblich geringeren Umsatz aufweisen.

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