Vier Fragen an: Thomas Bieler
"Es gibt keinen Grund, Fonds zu verlassen"

Thomas Bieler sieht keinen Grund, derzeit Geld aus Immobilienfonds abzuziehen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen über die Verunsicherung der Anleger und erklärt, warum diese weitgehend unberechtigt ist.
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Die Anleger sind verunsichert. Wie macht sich dies bei Ihnen bemerkbar?

Es fällt ein mal mehr auf, dass viele Menschen gar nicht richtig wissen, welche Anlageprodukte sie in der Vergangenheit gekauft haben. Häufig geht es darum, in der Beratung erst einmal zu prüfen, wohin ihr Geld überhaupt geflossen ist und welche Risiken mit der Anlage verbunden sind. Wie die Lehman-Pleite zeigt, wurden vielen unerfahrenen Anlegern Risikoprodukte als die bessere Alternative zu Spar- und Festgeldanlagen verkauft, ohne auf das deutlich höhere Risiko hinzuweisen. Die Erklärung von Zusammenhängen wie „Je höher die Rendite, desto höher das Risiko“ fiel dabei meist komplett unter den Tisch.

Mit Aktien haben viele Menschen nun Geld verloren. Bieten Immobilien nun die Sicherheit, die sie suchen?

Wer sein Geld in Immobilien investiert, sollte langfristig darauf verzichten können. Dabei kommt es nicht darauf an, ob jemand das eigene Haus kauft oder sich an Gebäuden anderer beteiligt. Zwar können Anleger die Anteile an offenen Immobilienfonds an jedem Werktag zurückgeben. Gerade jetzt müssen viele erkennen, dass es Ausnahmen von dieser Regel gibt. Gegenwärtig nehmen mehrere Fonds keine Anteile zurück, zahlen also auch kein Geld aus.

Was sollen Menschen tun, die ihr Geld in einem Fonds angelegt haben, der noch Anteile zurücknimmt?

Es gibt keinen Grund, das Geld dort abzuziehen. Gerade in diesem Jahr haben die Fonds viele neue Kunden gewonnen. Wenn die jetzt aus den Fonds herauslaufen, haben sie kein Geld verdient. Denn es dauert etwa ein Jahr, bis ein Fonds den Ausgabeaufschlag von meist um die fünf Prozent, den der Kunde am Anfang zahlt, wieder eingespielt hat. Wer allerdings jetzt Geld neu anlegen möchte, ist mit einem Tagesgeld- oder Festzinskonto besser bedient. Dort bekommt er ohne Ausgabeaufschlag um die fünf Prozent Zinsen. Und er kann in Ruhe warten, was auf den Finanzmärkten geschieht.

Bietet denn der Immobilienmarkt überhaupt keine Anlagealternative?

Für Menschen, die ohnehin seit langem vom eigenen Heim träumen, ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt, Wohnungseigentum zu kaufen. Die Zinsen für Baudarlehen sind niedrig. Und anders als Gewerbeimmobilienkäufer haben Eigenheim-Bauherren heute keine Probleme, Kredite zu bekommen. Vorausgesetzt sie können nachweisen, dass ihr Einkommen auch nach Zins und Tilgung hoch genug ist, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Der private Häuslebauer sollte nicht anders handeln als der Immobilienprofi. Er sollte nur bauen, wo die Bevölkerung wächst. So verringert er das Risiko, Geld zu verlieren, wenn er sein Heim verkaufen möchte oder muss.

Die Fragen stellte Reiner Reichel.

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