Weiche Rohstoffe
Koffein fürs Depot

Agrarrohstoffe wie Kaffee, Kakao und Tee werden bei Börsianern immer beliebter. Doch gerade Investitionen in die Exoten unter den sogenannten weichen Rohstoffen (soft commodities) sind für Privatanleger als Einzelinvestments durchaus riskant.
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DÜSSELDORF. Milch, Butter, Brötchen und Eier – kaum ein Lebensmittel ist zuletzt von kräftigen Preissteigerungen verschont geblieben. Laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts müssen die Verbraucher allein für Butter momentan 46 Prozent mehr zahlen als noch zu Jahresbeginn. Kaum besser sieht die Situation bei Brot, Eiern oder Orangensaft auf. Lediglich die Preise für Kaffee, Kakao und Tee stiegen im Schnitt in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres um 0,3 Prozent.

Was auf den ersten Blick ernüchternd wirkt, lockt jedoch die Spekulanten an. „Gerade wegen des Nachholpotenzials sind die Preise für Kaffee und Kakao momentan durchaus attraktiv“, sagt beispielsweise Torsten Dennin, Portfolio-Manager und Rohstoff-Experte bei der Deutschen Bank.

Doch vor allem für Privatanleger können derartige Geschäfte schnell zum Problem werden. Immerhin gibt es kaum andere Märkte, die ähnlich schwierig sind wie die für Kaffee, Kakao und Tee. So wird beispielsweise Tee – wegen der Vielzahl der einzelnen Sorten – überhaupt nicht an der Börse gehandelt, obwohl vor allem Indien immer mal wieder einen Kontrakt auflegen will. „Investoren müssten sich hier schon direkt mit dem Rohstoff eindecken“, sagt Stefan Uhlenbrock, Tee-Experte und Analyst beim Agrarspezialisten FO-Licht. Sogar für die meisten professionellen Anleger sei dies aber zu umständlich.

Für Kakao gibt es zwar einen funktionierenden Terminmarkt. „Der Markt ist aber einer der kleinsten überhaupt“, sagt Dennin. Ein erstes Problem sei daher bereits häufig die geringe Liquidität, meint der Rohstoffexperte. Zudem gilt Kakao sogar unter vielen Profis als Zockermarkt. Denn Kakao wird nur in wenigen Ländern produziert. Allein zwei Drittel der weltweit angebotenen Menge stammen beispielsweise aus Ghana und der Elfenbeinküste. Der Preis ist damit nicht nur stark von einzelnen Wetterkapriolen oder politischen Nachrichten gerade aus der instabilen Elfenbeinküste, die sich bereits seit 2002 in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand befindet, abhängig. Auch gezielt gestreute Gerüchte können leicht für Verunsicherungen sorgen.

Bleibt noch der Kaffee. Dieser wird zwar rege gehandelt. Da Investoren jedoch schnell den Überblick zwischen den einzelnen Sorten, Kontrakten und Handelsplätzen verlieren können, ist auch dieser Rohstoff eher etwas für Experten.

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