Werner Krämer
„Intransparent für viele Privatanleger“

Es gibt Indizes auf Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Schwellenländer; auf Währungen oder unterschiedliche Branchen. Die Detailunterschiede der einzelnen Anbieter sind komplex und "für Privatanleger kaum nachvollziehbar", sagt Werner Krämer. Im Interview bringt der Leiter der Analyse bei Lazard Asset Management Licht ins Dunkel der Indizes.

Handelsblatt: Wie viele Rentenindizes gibt es, und was sagen sie aus?

Werner Krämer: Die Zahl der Rentenindizes ist schwer zu beziffern. Ich schätze, es gibt mindestens 10 000 Indizes inklusive der ganzen Teilsegmente. Im Prinzip bilden sie die Entwicklungen an den verschiedenen Anleihemärkten ab, und da sind eben die Abgrenzungen wichtig. Es gibt Indizes auf Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Schwellenländer. Dabei gibt es Untergliederungen auf zum Beispiel bestimmte Währungen, einzelne Ratingkategorien, unterschiedliche Branchen oder Laufzeiten. In den einzelnen Indizes sind oft Tausende Anleihen enthalten.

Welche Darstellungsformen von Rentenindizes gibt es?

Sehr viele verschiedene. So gibt es Kurs- und Performanceindizes. Da die laufenden Erträge - also die Zinszahlungen - bei Renten sehr viel wichtiger sind als die Dividendenzahlungen bei Aktien, betrachtet man auf der Rentenseite meist nur die Performance-Indizes. Sie zeigen den Gesamtertrag aus Kurs- entwicklung und Zinsen samt Zinseszinsen. Man kann an den Indizes aber auch die durchschnittlichen Renditen, Laufzeiten oder Risikoaufschläge zum Beispiel gegenüber Staatsanleihen ablesen.

Warum sind Rentenindizes weniger populär als Dax und Co?

Das liegt zum einen an der Komplexität der Rentenindizes. Hinzu kommt noch ganz grundsätzlich, dass Anleihen generell weniger stark schwanken als Aktien. Von daher sind die Bewegungen auch in den Indizes nicht so spektakulär.

Liegt die mangelnde Bekanntheit auch daran, dass die Rentenindizes nicht so gut zugänglich sind wie Aktienindizes?

Mit Sicherheit. Viele bekannte Aktienindizes werden ja von den Börsen berechnet. Die sehen Anleger in gewisser Weise als neutral und zuverlässig an. Bei Renten gibt es nur wenige Indizes von Börsen. Eine Ausnahme sind Rex und Pex von der Deutschen Börse für deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe. Ansonsten sind die Anbieter vor allem Investmentbanken. Für die Zugänge zu den Indizes muss man Gebühren zahlen. Das macht den Markt für Privatanleger intransparent, zumal die Detailunterschiede der einzelnen Anbieter komplex und für Privatanleger kaum nachvollziehbar sind.

Über die Indizes erfahren Privatanleger aber etwas, wenn sie Rentenfonds haben ...

Das stimmt. Die Fonds orientieren sich meist stark an den ausgewählten Benchmark-Indizes. Im Vergleich dazu können Anleger sehen, ob ihr Fonds besser oder schlechter abschneidet als die gewählte Benchmark. Täglich verfolgen können sie dies aber in der Regel nicht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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