Wertpapiere: Alte Aktien als Wert an sich

Wertpapiere
Alte Aktien als Wert an sich

Die für alte Wertpapiere gebräuchliche Fachbezeichnung „Nonvaleurs“ führt in die Irre. Denn „ohne Wert“ sind historische Wertpapiere nun wirklich nicht – ganz im Gegenteil. Historische Wertpapiere bieten gute Renditechancen. Allerdings ist der Markt eng und undurchsichtig.

FRANKFURT. Alte Wertpapiere sind nicht wertlos. Im Gegenteil. Für die mit der Originalunterschrift von John D. Rockefeller versehene Standard-Oil-Gründeraktie aus dem Jahr 1871 fiel der Hammer des Auktionators im Januar 2000 in New York bei 134 000 Dollar. Das ist bis heute der Rekordpreis. Zum Vergleich: Ebenso teuer ist derzeit die A-Aktie von Warren Buffetts Finanz-Imperium Berkshire Hathaway, die börsentäglich an der New York Stock Exchange (Nyse) gehandelt wird. Der kleine aber feine Unterschied: Zwischen den beiden Legenden Rockefeller und Buffett liegt ein Zeitraum von mehr als 130 Jahren.

Für Liebhaber und Sammler haben die historischen Wertpapiere eine große Bedeutung als Zeugnis der Zeitgeschichte, sind für sie aber mehr als bloße Dekoration der Bürowand. Sie sehen diese Papiere als lukrative Kapitalanlage. „Die Preise sind auch im Jahr 2007 weiter gestiegen“, sagt Jörg Benecke, Vorstand der AG für Historische Wertpapiere.

Der Markt habe nicht nur das aus dem Platzen der Internet-Blase resultierende Zwischentief der Jahre 2000/2001 längst eindrucksvoll überwunden. Auffällig sei, dass die Preise für Massenware bestenfalls stabil geblieben seien, während seltene Exponate kräftige Preissprünge verzeichnet hätten: „Die Preise für Spitzenstücke haben sich in den vergangenen fünf Jahren schlichtweg verdoppelt", sagt Vladimir Gutowski, Chef des gleichnamigen Auktionshauses.

Dass nicht mehr börsennotierte Wertpapiere eine große Faszination ausüben, hat neben der Hoffnung auf Wertsteigerungen auch eine weitere Ursache: Nostalgie in Zeiten rasanter Veränderungen. Erinnerungen an die ach so gute alte Zeit ziehen immer mehr (meist ältere) Menschen vornehmlich in den Industrieländern in ihren Bann. Diese Sehnsucht stillen diese Menschen, indem sie Kleinode wie Gemälde, Antiquitäten, Münzen, Uhren und auch historische Wertpapiere erwerben und so für sich selbst die Vergangenheit noch einmal aufleben lassen.

Dass Top-Stücke inzwischen für weit über 50 000 Dollar ihre meist finanzstarken Besitzer wechseln, gilt als Beweis für die zunehmende Bedeutung und Attraktivität dieses Marktes. Für Anleger, die auf den schnellen Euro zielen, ist der Markt für historische Wertpapiere allerdings kein geeigneter Tummelplatz. Selbst während der Haussephase in den 90er Jahren waren hier keine raschen Gewinne zu erzielen. Vielmehr war damals eine langsame, aber stetige Aufwärtsbewegung der Preise festzustellen.

Dabei hatte die Scripophilie – so der Fachbegriff für das Sammeln von Nonvaleurs – gerade während des Börsenbooms eine Menge neuer Fans gewonnen. Dies waren meist Yuppie-Börsianer, die in der Ära des Neuen Marktes in Deutschland mit börsennotierten Aktien an einem Tag ein Vermögen machten und dann mal gerade so nebenbei auch 20 000 Euro in alte Wertpapiere steckten, um damit die Wände ihrer Luxusbüros zu zieren.

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