Wirtschaftserziehung
Finanzkenntnisse noch mangelhaft

Viele junge Menschen wissen zu wenig über das Thema Geld. Dabei müssen gerade sie sich in einer älter werdenden Gesellschaft früher mit den Themen Altersvorsorge, Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen.Woran es hakt und welche Angebote Abhilfe schaffen.
  • 0

DÜSSELDORF. August 2007, Peter Ferres betritt das Klassenzimmer. Die Erstklässler der Metropolitan School in Frankfurt sitzen andächtig auf ihren Stühlen. „Was ist denn der Unterschied zwischen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren“, fragt Lehrer Ferres in die Runde. Die Hände schnellen in die Höhe und die Sechsjährigen antworten im Chor: „Mit einer Aktie erwirbt man Anteile an einem Unternehmen, bei festverzinslichen Wertpapieren leiht man einem Unternehmen dagegen Geld.“

Wird der Unterricht der Schulanfänger in der neu gegründeten Privatschule wirklich so aussehen? „Nein“, sagt Schulleiter Ferres, „aber ab Klasse 5 wird Wirtschaft im Unterricht behandelt.“ Als ehemaliger Investmentbanker ist Ferres, der jahrelang bei Credit Suisse große Deals zu verantworten hatte, auch prädestiniert dafür, den Kindern die immer wichtiger werdenden Finanzkenntnisse zu vermitteln.

Um die Kenntnisse ist es in Deutschland schlecht bestellt. Den Unterschied zwischen Aktien und festverzinslichen Papieren kann nach einer repräsentativen Studie der Commerzbank nur etwa die Hälfte der Deutschen richtig erklären. Dabei müssen sich gerade junge Menschen in einer älter werdenden Gesellschaft früher mit den Themen Altersvorsorge, Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen.

Es ist ein schwacher Trost, dass ähnliche Studien in anderen EU-Staaten vergleichbar schlechte Ergebnisse bringen. Die EU-Kommission hat Ende März eine Konferenz zum Thema „Financial Capability“ veranstaltet. In seiner Abschlussrede forderte Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy alle Mitgliedsstaaten auf, Wirtschaft als Schulfach in die Lehrpläne der allgemein bildenden Schulen aufzunehmen.

Hier zu Lande rennt McCreevy mit seiner Forderung bei Banken, Finanzdienstleistern und Verbänden offene Türen ein. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) fordert schon seit zehn Jahren die flächendeckende Einführung des Schulfachs Wirtschaft. „Die nicht vorhandenen wirtschaftlichen Kenntnisse in breiten Teilen der Bevölkerung sind einer der Hauptgründe für die niedrige Aktionärsquote in Deutschland“, sagt Franz-Josef Leven, der beim DAI für den Bereich ökonomische Bildung zuständig ist. Die Zahlen geben ihm Recht: Im Jahr 2006 ist die Zahl der Privataktionäre im Vergleich zum Vorjahr um 13,3 Prozent oder 364 000 gesunken. Dabei legte der Deutsche Aktienindex (Dax) im gleichen Zeitraum um 22 Prozent zu – das war der größte Anstieg seit sechs Jahren.

Seite 1:

Finanzkenntnisse noch mangelhaft

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Wirtschaftserziehung: Finanzkenntnisse noch mangelhaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%