Yuan
Vision einer Leitwährung

Die Finanzkrise nährt Spekulationen, dass der Dollar binnen weniger Jahre seine dominierende Rolle im Finanzgefüge verlieren, und Chinas Yuan aus dem Schatten des Dollars treten wird. Allerdings wird der Wechselkurs des Yuan täglich durch die chinesische Notenbank bestimmt - bisher hat Peking dem Druck, die Währung frei fließen zu lassen, standgehalten.
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PEKING. Im Alter von 20 Jahren wird die Tochter von Jim Rogers nicht nur Chinesisch sprechen, sondern auch eine neue internationale Leitwährung erleben - den Yuan. Die chinesische Landeswährung könne den Dollar in 15 Jahren als Leitwährung ablösen, erklärte der US-Investor in Hongkong. Rogers glaubt fest daran, dass China die Welt verändern wird. Und er scheint es ernst zu meinen: Seine fünfjährige Tochter spricht bereits fließend Mandarin.

Devisenexperten sagen in der Krise dem Dollar langfristig den Verlust seiner dominierenden Rolle im weltweiten Finanzgefüge voraus. Nicht nur der Vertrauensverlust in die führende Wirtschaftsnation, auch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit und die Abwertung des Dollars vor Beginn der Krise werden als Gründe für diesen Wandel gesehen. Zugleich gilt der Yuan seit Jahren als eine der stabilsten Währungen. Während der südkoreanische Won zum Beispiel dramatisch abgestürzt ist, hat die chinesische Regierung den Yuan in der Krise bislang stabil gehalten. Doch auch China kämpft mit den Folgen der Finanzmarktturbulenzen. Premier Wen Jiabao kündigte gestern Exporthilfen und Programme zur Ankurbelung des Konsums an.

Chinas Währung ist ein Sonderfall, denn sie ist nicht konvertibel, kann also nicht von In- wie Ausländern unbegrenzt in andere Währungen umgetauscht werden. Darum sei die Vision einer neuen Leitwährung mit Blick auf den Yuan auch eher eine "akademische" Diskussion, wie Rogers in Hongkong hinzufügte.

Der Yuan ist seit 1995 eng an den Dollar gebunden, die chinesische Notenbank bestimmt täglich den Wechselkurs. Das hat in den vergangenen Jahren Auslandsinvestitionen nach China gelockt, denn die Investoren sehen dieses Wechselkurs-Regime als zuverlässige Plangröße an.

In den letzten Jahren gab es immer wieder internationalen Druck auf Peking, die Währung frei fließen zu lassen. Selbst im Reich der Mitte gibt es Stimmen, die sich dieser Forderung anschließen. Doch die Führung der inzwischen drittgrößten Wirtschaftsmacht setzt in der Krise vor allem auf Stabilität. "Es wäre eine Katastrophe, wenn wir drastische Fluktuationen im Yuan-Wechselkurs hätten", sagte Premier Wen Jiabao Ende Januar auf seiner Europa-Reise. Eine Abwertung, die Chinas Exporte billiger machen würde, schloss Wen nicht ausdrücklich aus.

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