Zinsentwicklung
Schwere Zeiten für Anleihefans

Wie sollten sich Anleger derzeit an den Rentenmärkten positionieren? Jetzt schon einsteigen oder noch abwarten? Bestehende Investments auflösen oder halten? Unter Investoren herrscht Unsicherheit. Verantwortlich ist dafür vor allem die Zinsentwicklung in den USA.

HB HAMBURG. Nachdem die US-Notenbank, die Federal Reserve Bank (Fed), im Dezember 2005 angedeutet hatte, dass der seit 2004 laufende Zyklus stetiger Leitzinserhöhungen bald ein Ende haben könnte, rätseln Investoren, wann es soweit ist. Bisher ist vom Ende noch nichts zu spüren. "Im ersten Quartal dieses Jahres gab es auf die Frage, was sich am Markt für festverzinsliche Wertpapiere tut, nur eine Antwort: Es geht aufwärts", sagt Chris Molumphy, Executive Vice President der Global Fixed Income Group von Franklin Templeton. Die Fed hat auch 2006 die Leitzinsen weiter angehoben. "Die Renditen über die gesamte Zinskurve in den USA sind von Januar bis Anfang April entsprechend um 50 Basispunkte gestiegen", fasst Molumphy die Entwicklung zusammen.

Auch in der Eurozone bewegen sich die Zinsen nach oben. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der Banken für mehr als zwei Jahre stabil bei zwei Prozent belassen hatte, hob sie die Zinssätze seit Dezember zwei Mal um je 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent an. Die langfristigen Kapitalmarktzinsen stiegen ebenfalls: Während die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen im September noch bei drei Prozent lag, ist sie aktuell um 100 Basispunkte höher. "Einen so kräftigen Zinsanstieg in so kurzer Zeit auf beiden Seiten des Atlantiks hatte wohl keiner erwartet", sagt Frank Grehl, Fondsmanager bei Activest.

Anleger, die neu in Rentenwerten investieren wollen, sitzen zwischen den Stühlen: "Je mehr die Zinssätze steigen, um so besser wird die Rendite neu emittierter Rentenpapiere und um so mehr ist man gegen nachfolgende Zinsschritte abgesichert", beschreibt Grehl die positive Seite. Zugleich stellt sich die Frage, warum man heute schon investieren soll, wenn die Erträge morgen noch besser werden könnten. Das aktuell niedrige Niveau an den Kapitalmärkten lässt viel Raum für Zinsphantasien. "Ein bis zwei Zinsschritte werden wir bis Ende des Jahres in Europa noch sehen, und auch in den USA könnte noch eine weitere Zinserhöhung folgen", prognostiziert Werner Becker aus dem Research-Team der Deutschen Bank.

Rentenfonds sind gefragt

Anleger, die bereits Rentenwerte halten, müssen mit Kursverlusten und Renditeeinbußen rechnen - wenn die Zinssätze neu emittierter, festverzinslicher Papiere steigen, verlieren alte Investments mit niedrigerem Zinskupon an Wert. Experten raten vor allem bei lang laufenden US-Anleihen oder Fonds mit entsprechendem Anlageschwerpunkt zum Verkauf.

Private Investoren haben sich mit Verkäufen bisher allerdings zurückgehalten. "Zumindest was ihre Fondsanteile angeht", so Grehl von Activest. Das bestätigt die Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI): Rentenfonds waren im ersten Quartal geradezu die Verkaufsschlager. Fünf Mrd. Euro netto sind in die 788 Rentenfonds der im BVI zusammengeschlossenen Investmentgesellschaften geflossen.

Anleger sollten aber ihr Investment überprüfen und auf Wechselkursrisiken sowie kurze Laufzeiten achten. Laut Experten wirken die Kräfte, die in den vergangenen Monaten auf Dollar lautenden Rentenfonds oder Fonds mit Schwerpunkt Schwellenländern gute Erträge beschert haben, jetzt genau in die andere Richtung. Hintergrund ist die Gefahr einer Dollar-Abwertung.

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