Zweitmarkt für geschlossene Fonds
Verkäufer sind im Vorteil

Das Geschäft mit gebrauchten Anteilen an geschlossenen Fonds hat sich gewandelt. Nicht mehr Notverkäufe arbeitsloser oder geschiedener Anleger dominieren den Markt, sondern Anteilsinhaber, die ihre Gewinnchancen ausloten. Vor allem Schiffs- und Immobilienfonds wachsen rasant auf dem Zweitmarkt.

DÜSSELDORF. Ein Grund dafür: der aktuell florierende Welthandel. Das treibt die Charterraten an. Derzeit liegen die Tagesmieten für Schiffe über dem langjährigen Durchschnitt. Viele Schiffsfonds erzielen nun höhere Einnahmen als im Verkaufsprospekt prognostiziert. Den Anteilseignern wird darum für den gebrauchten Anteil mehr geboten, als sie ursprünglich einzahlten. Im zweiten großen Segment, den Immobilienfonds, sorgt die überbordende Nachfrage ausländischer Investoren an deutschen Immobilien für preistreibende Gewinnphantasie und steigende Umsätze.

Alles in allem geht Fondsexperte und -statistiker Stefan Loipfinger in diesem Jahr von mehr als 500 Mill. Euro mit Zweitmarktumsatz aus (s. Grafik). Und Jürgen Wollny, Geschäftsführer der zum Schiffsemissionshaus Nordcapital gehörenden Deutsche Sekundärmarkt GmbH (DSM), sagt: „Ich rechne in diesem Jahr mit einem Zweitmarktvolumen allein im Schiffsbereich von rund 300 Mill. Euro und schätze, dass sich das Marktvolumen im nächsten Jahr noch einmal vervierfachen wird.“ Die DSM betreibt eine Internet-Handelsplattform für Schiffe, über die überwiegend Nordcapital-Fonds gehandelt werden.

Ein Vorteil beim Erwerb des gebrauchten Anteils gegenüber einer neu emittierten Beteiligung ist offensichtlich: Der Ersterwerber hat die teils üppigen Nebenkosten der Fondsbeteiligung bereits bezahlt. Doch wer den Markt nicht exzellent kennt, in den er investiert, ist kaum davor gefeit, zu teuer zu kaufen (s. „Fünf Fragen an …“). Beteiligt er sich an einem Zweitmarktfonds, hat er das gleiche Problem wie der Erstzeichner: Es fallen zusätzlich Nebenkosten an (s. Tabelle).

Ohnehin muss sich ein Zweitmarkt-Käufer im Klaren sein: Von den Risiken der Märkte, in die er investiert, wird er sich nicht abkoppeln. Sucht er sich seine gebrauchten Anteile selbst, kann er – wie bei einer Erstemission – nur über den Kauf mehrerer Beteiligungen das Risiko streuen. Wählt er einen Zweitmarktfonds, nimmt ihm der Fondsmanager die Risikostreuung ab. Zudem lässt sich das Risiko auf diese Weise mit einem viel geringeren Kapitaleinsatz senken.

In einem Schiffsbeteiligungsportfolio profitiert der Zeichner zum Beispiel durch den Risikoausgleich zwischen unterschiedlichen Schiffstypen, weil sich Charterraten verschieden großer Schiffe nicht immer in die gleiche Richtung bewegen. Und selbst wenn sie es tun, geschieht dies meist unterschiedlich schnell. Kommt es allerdings zu einem generellen Einbruch der Charterraten, wie es ihn in der Vergangenheit schon gegeben hat, hilft die Risikoverteilung auf unterschiedliche Schiffe nicht mehr. Ähnliches gilt für Windpark-Beteiligungen: In windarmen Jahren liefern alle Windmühlen weniger Strom und somit weniger Einnahmen.

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