28 Banken herabgestuft Moody’s knöpft sich Spaniens Banken vor

Die Abwärtsspirale für Spanien dreht sich immer weiter. Die Ratingagentur Moody's hat kurz nach dem Hilferuf aus Madrid die Bonität von mehr als zwei Dutzend Banken herabgestuft - teilweise gewaltig.
Update: 26.06.2012 - 01:05 Uhr 19 Kommentare

Spanische Banken herabgestuft

New YorkÜberraschend kam es nicht, weh tut es trotzdem: Die Ratingagentur Moody's hat am späten Montag auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 28 spanischen Banken herabgestuft. Für einzelne Kreditinstitute ging es um ganze vier Stufen nach unten - ein ungewöhnlich tiefer Fall in einer ungewöhnlich schweren Zeit für das Land.

Moody's begründete die Entscheidung mit den zu erwartenden steigenden Verlusten aus der Immobilienkrise sowie der gesunkenen Kreditwürdigkeit Spaniens insgesamt.

Zu den Betroffenen Häusern zählen die Branchenriesen Banco Santander und BBVA, vor allem aber zahlreiche kleinere Institute. Während die beiden Großbanken nach der Herabstufung immerhin noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit besitzen, sind weitere Regionalbanken aufs sogenannte Ramschniveau abgerutscht. Diese Marke gilt für Investoren als deutliches Warnsignal, dass sie Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren.

Die Banken des Landes befinden sich nach dem Platzen einer Immobilienblase in einer schwierigen Situation. Die spanische Wirtschaft schrumpfte zu Jahresbeginn das zweite Quartal in Folge, womit das Land sich wieder in der Rezession befindet. Die Arbeitslosenrate liegt derzeit bei mehr 24 Prozent.

Im Februar hatte Moody's erklärt, wegen der lahmen Wirtschaft und der Flaute auf den Kapitalmärkten 114 Banken und Versicherer zu überprüfen.
Moody's hatte ihr Vorhaben unter anderem mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa und den mauen Aussichten auf den Kapitalmärkten begründet.

Es ist das zweite Mal innerhalb von sechs Wochen, dass Moody's die spanischen Banken herabstuft. Eine schlechtere Bonität kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern. Zudem kann eine Herabstufung das Vertrauen der Geschäftspartner in eine Bank erschüttern, womit ihr lukrative Geschäfte durch die Lappen gehen können.

Der Hilferuf von Spanien, und die globalen Sorgen von Moody's
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19 Kommentare zu "28 Banken herabgestuft: Moody’s knöpft sich Spaniens Banken vor"

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  • Ich verstehe nicht, warum Europa spanische Sparkassen retten muß, die sind doch nicht systemisch. Ich verstehe auch nicht, warum Spanien nicht eine Bad Bank schafft, auf die die maroden Immobilienkredite gehäuft werden, und die dann mit staatlichen Mitteln marktschonend über Jahrzehnte abgewickelt wird. Die Immobilienpreise, die diesen Krediten zugrundegelegt wurden, werden nie wieder erreicht werden!

  • @Rechner

    "Ein Euroaustritt Deutschlands ist nach den Verträgen gar nicht möglich."

    Als ob sich unsere Regierenden (in Berlin und Brüssel) auch nur ansatzweise an Verträge/Gesetze/Verfassungen/etc. halten würden. Gehandelt wird nach dem Motto "Was gerade opportun ist, wird gemacht".

  • Es war dem JEDEM klar, dass die spanischen Banken toxische Kreditpaiere von bis zu 400 Milliarden in ihren Kellern versteckt halten. Mir ist es ehrlich gesagt ein großes Rätsel warum Moodys nicht schon viel früher diese Ratings ausgegeben hat.

    Erklärungsversuch: Man hat immer noch gehofft, dass in Nordeuropa keiner Verdacht schöpft bzw. das die Wähler in den nordeuropäischen Geberstaaten vielleicht noch nicht Lunte gerochen haben. Deshalb hat man damit gewartet.

    Wie immer bei den Ratingagenturen: Die Herabstufungen kommen immer ohne Vorwarnungen und ganz plötzlich. Die Ratingagenturen ist ein Werkzeug der Politik. Für die USA wäre ein klarer Vorteil gewesen, wenn die nichtsahnenen Europäer in die Falle getappt wären!!!

    Das ist alles sehr naheliegend.

    Und - wie hier schon oft angemerkt - das Timing dieser Herabstufungen ist ja wohl das allerletzte. Offensichtlicher können die Ratingagenturen ihre politische Absicht gar nicht bekunden.

  • Ein Euroaustritt Deutschlands ist nach den Verträgen gar nicht möglich.

    Und dann? Schon mal was von einem Vertrag gehört, der nicht aufgelöst wurde? Verträge sind dazu da, um den Umgang miteinander zu regeln und nicht um Menschen auf Gedeih und Verderb aneinanderzuketten. Da gibt es schon eine Grenze.
    Somit ist dies dringend nachzubessern. Man nenne mir mal einen rechtlichen Vertrag bei dem mir keine Handlungsfreiheit bleibt und wo ich nicht gehen kann, wenn ich es nicht für gut befinde. Wo sind wir denn eigentlich? Das erinnert an Zwangsheirat. Und was ist dann als Ende vorgesehen (weil dieses gibt es immer in irgendeiner Form), Mord und Totschlag doch nicht, oder?

    So nicht. Glauben Sie mir, es gibt bessere Formen des Zusammenlebens, wo man wahrscheinlich freundschaftlicher miteinander umgeht als das jetzt der Fall ist, weil jeder sieht den Kreisel, der sich immer schneller dreht und Geld im Norden abschneidet, um es in dunkle Löcher im Süden zu giessen von dem keiner weiss, wem genau es eigentlich zugute kommt. Ist doch so. Den Banken, ok, aber auf welche Konten? Hat sich da schon mal jemand Gedanken drüber gemacht? Angesichts der Summen eine legitime Frage.

  • Deutschland als einziges Euro-Land dem crash entkommt.

    Ob das möglich ist? Ich glaube, Finnland hat bessere Chancen, was das betrifft. D ist viel zu gross, um keinen Impakt zu erfahren.
    Wie war das noch mit dem Engagement deutscher Banken auf dem spanischen Immobiliensektor? Hat jemand eine Ahnung, was das für einen Umfang hat? Das könnte noch sehr bitter werden. Fehlspekulation im Immobiliensektor ist immer sehr schmerzhaft, weil man ziemlich unflexibel ist und somit sieht, wie man gegen die Wand knallt, während die Tür klemmt. Am Ende kann man sich doch nur damit abfinden und das Beste draus machen, wie das auch aussehen möge.

  • "ALLE wissen doch dass die FPIIGS-Staaten und die FPIIGS-Banken NIEMALS ihre Schulden zurückzahlen werden / können / wollen
    Und den crash muß man möglichst lange hinauszögern, denn bis dahin kann man als FPIIGS noch viele Geld für sich selbst zum konsumieren oder investieren abstauben."

    Hm, und wie zahlt bitte Deutschland seine 2 Billis zurück? Es wird Zeit den eigenen Balken aus dem Auge zu entfernen und einen ordentlichen Kassensturz zu machen. Auf die Dauer wird Europa um einen Währungsschnitt nicht herum kommen. Flankiert mit den Maßnahmen eines Fiskalpaktes und demokratisch modifiziertem ESM, und einer Bankenaufsicht, die ihre Aufgaben ernst nimmt.

    Gefunden bei krisenfrei.wordpress.com
    Tilgungsannahme für 2 Billionen € (4 Billionen DM) bei 3% Zinsen. Wobei Tilgung ja schon ein Schimpfwort zu sein scheint.
    Die monatliche Rate läge etwa bei 6,67 Mrd. Euro. Jährlich wären das rund 80 Mrd. Euro. Die Summe der Zinskosten würde 1,7 Billionen Euro betragen, wobei diese Summe die Banken erhalten. Insgesamt würde die Schuldenrückzahlung 46,3 Jahre dauern.

  • Ganz zufällig passiert so etwas immer kurz vor EU Gipfeltreffen, auf denen dann jedesmal die ultimative Lösung des Europroblems beschlossen wird.
    .... bis sich vier Wochen später, ganz überraschend, neue Milliardenlöcher auftun.

    Was wohl in den Geschichtsbüchern stehen wird wer hier wen beherrscht hat ?

  • Wer Moody's ratings anzweifelt, kann sich bei Euler-
    Hermes informieren um nicht unnötig Geld in den
    Sand zu setzen!!

  • Spanien leidet nicht nur unter unfähigen Banken, sondern auch unter einem total verkrüppelten Arbeitsmarkt: Jährliche gesetzlich Lohnsteigerungen in absurder Höhe (von den Gewerkschaften durchgesetzt), unbezahlbare Wohlfahrtskosten und eine umständliche und sich selbst nur als "Obrigkeit" verstehende Bürokratie haben noch jede Volkswirtschaft ruiniert. Die Folge: Es blüht der Schwarzmarkt, am Spanien stärksten in der gesamten westlichen EU.

  • Zeit den armen Bankstern noch mehr Kohle rüberzuschieben...

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