30-jährige Anleihe
Goldman Sachs hilft Bund beim Schuldenmachen

Premiere bei deutschen Staatsanleihen: Erstmals begibt die Finanzagentur ein 30-jähriges Schuldpapier, das an die Inflation gekoppelt ist. Bei der Emission holt sich der Bund Hilfe – auch bei einer US-Großbank.
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FrankfurtVier Jahre ist es her, da wollte der Bund am liebsten gar nichts mehr mit Goldman Sachs zu tun haben. Die US-Börsenaufsicht hatte dem Institut damals vorgeworfen, bei der Vermarktung eines Finanzmarktprodukts wichtige Informationen verschwiegen und auch deutsche Investoren in die Irre geführt zu haben. „Eine Bank, die sich so verhält, darf nicht mit öffentlichen Aufträgen belohnt werden“, wetterte das Umfeld von Kanzlerin Angela Merkel damals – doch der Rauch verzog sich schnell. Auch die staatliche Förderbank KfW blieb Goldman Sachs als Geschäftspartner treu.

Jetzt angelt sich die US-Investmentbank erneut einen Auftrag beim Bund. Am Mittwoch ist ein internationales Bankenkonsortium mit der Platzierung einer Bundesanleihe beauftragt worden. Die Führung in der Gruppe haben Commerzbank, Crédit Agricole, Goldman Sachs, HSBC und Société Générale, wie die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur am Mittwoch ankündigte. Die Ausgabe einer an die Inflation gekoppelten Anleihe mit 30-jähriger Laufzeit soll künftig regelmäßig Geld in die Staatskasse spülen.

Bei der Emission ist die Deutsche Bank nicht im führenden Bankenkonsortium. Laut Finanzagentur rotieren die führenden Banken bei den Neuemissionen, die über ein Konsortium platziert werden. Welche Banken ausgewählt werden, hänge von der Art der Anleihe und der Marktsituation ab, heißt es dort. Die Deutsche Bank ist demnach aber regelmäßig vertreten. Goldman Sachs ist erstmals seit sechs Jahren wieder im Führungskonsortium. 

In der Regel werden die Finanzprodukte des Bundes – von sechsmonatigen Geldmarktpapieren bis hin zu nominalverzinslichen Anleihen mit 30 Jahren Laufzeit – versteigert. Bei einem Syndikat übernehmen die Banken die Vermarktung und das Absatzrisiko. Sie streichen dafür eine Gebühr ein. „Bei der Markteinführung von neuen Laufzeiten hat der Bund bereits bisher – in der Regel alle zwei bis drei Jahre – die Unterstützung von Syndikaten gewählt“, so ein Sprecher der Finanzagentur.

„Die neue Anleihe wird ein Anfangsvolumen von zwei bis maximal 2,5 Milliarden Euro haben“, hatte die Finanzagentur mitgeteilt. Sie soll mehrfach aufgestockt werden und am Ende ein Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro erreichen. Seit 2006 baut der Bund den Bereich inflationsgekoppelter Anleihen kontinuierlich aus – bislang mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit. Die sechs derzeit handelbaren Titel erreichen zusammen ein Volumen von 71 Milliarden Euro. Das entspricht knapp sechs Prozent der gehandelten Bundeswertpapiere. Zum ersten Mal gibt es jetzt auch ein an die Inflation gekoppeltes Papier mit 30-jähriger Laufzeit.

In der vergangenen Woche war der Bund bei der Auktion einer herkömmlichen 30-jährigen Anleihe auf einem Teil der Papiere sitzen geblieben – bereits zum fünften Mal hintereinander bei der Emission von Anleihen dieser Laufzeit. Für das angebotene Volumen von zwei Milliarden Euro gab es zuletzt Kaufaufträge über lediglich 1,5 Milliarden Euro. Das Banken-Konsortium könnte helfen, solche Unterplatzierungen zu vermeiden.

Anm. d. Redaktion: In einer ersten Fassung hatte es geheißen, der Bund greife zum ersten Mal auf ein Syndikat zurück, um eine Anleihe zu platzieren. Es passiert zwar unregelmäßig, ist aber schon vorgekommen – zuletzt 2013.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " 30-jährige Anleihe: Goldman Sachs hilft Bund beim Schuldenmachen"

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  • Das Goldmännchen ist wieder da, hat den Politikern was mitgebracht und
    den Steuerzahler armgemacht.

  • Ach iwo....geschmiert wird nur bei der FIFA, in der Politik nennt sich das "Lobbyarbeit".

  • Entweder sind Politiker, die bei so etwas mitmachen komplett bescheuert oder aber geschmiert.

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