800-Millionen-Emission ist größte Anleihe seit 2001
Argentinien zapft den Kapitalmarkt erneut an

Argentinien hat gestern die größte Anleihe seit vier Jahren auf den Markt gebracht. Die Regierung bot insgesamt 800 Mill. Dollar einer neuen Anleihe mit einem fixen Jahreszinssatz von sieben Prozent und halbjährlichen Zinszahlungen an.

ang BUENOS AIRES. Das Land hatte sich Ende 2001 zahlungsunfähig erklärt und erst vor wenigen Monaten die Umschuldung von notleidenden Anleihen im Wert von rund 80 Mrd. Dollar abgeschlossen. Dabei rang Argentinien seinen Gläubigern den bisher größten Forderungsverzicht aller Zeiten ab. Gleichwohl zapfte die Regierung in Buenos Aires gestern nun schon zum fünften Mal seit Ende der Umschuldung erfolgreich wieder den privaten Kapitalmarkt an.

Die neue Anleihe wurde nach argentinischem Recht begeben, richtete sich jedoch erstmals vor allem an internationale Anleger. Finanzstaatssekretär Guillermo Nielsen hatte letzte Woche in London, wo er sich im Rahmen des Vorbereitungstreffens für die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank aufhielt, unter europäischen Investmentbankern für die neue Anleihe geworben.

Ursprünglich sollte die neue Anleihe erstmals wieder nach internationalem Recht begeben werden. Vergleichbare Anleihen anderer südamerikanischer Länder, die nach internationalem Recht begeben wurden, haben eine deutlich niedrigere Verzinsung. Doch die Furcht vor den zahlreichen internationalen Gläubigern, die nicht an der Umschuldung teilgenommen und stattdessen einen Pfändungstitel über Gericht erworben hatten, war zu groß. Die Gläubiger hätten die Erlöse der Anleihe möglicherweise pfänden können.

Das Finanzministerium hat insgesamt eine Emission von zwei Mrd. Dollar der neuen Anleihe bis Ende des Jahres bewilligt, was den gesamten Finanzbedarf Argentinien decken würde. Eigentlich sollte gestern schon die Hälfte dieser Summe auf den Markt gebracht werden, doch die leichte Leitzinserhöhung der US-Notenbank sorgte dafür, dass die Emission niedriger als geplant ausfiel.

Mit einer Emission von zwei Mrd. bis Ende des Jahres wären auch alle unaufschiebbaren Zahlungen an den IWF gedeckt. Die argentinische Regierung bemüht sich seit geraumer Zeit vergeblich, sich mit dem IWF auf ein neues Abkommen zu einigen. Doch die fehlenden Mittel dürften sich leicht durch Kapitalzuflüsse vom Privatsektor ersetzen lassen, meint UBS-Stratege Javier Kulesz. Die hohe globale Liquidität und die trotz der jüngsten Zinserhöhung noch immer niedrigen langfristigen Zinsen bieten ein günstiges Szenario für weitere Emissionen. Auch haben die übrigen Lateinamerikanischen Länder ihren Finanzbedarf dieses Jahres bereits weitgehend gedeckt, was Argentiniens Anleihen noch attraktiver macht. „In diesem Kontext dürfte die Regierung relative leicht weitere Schulden auf dem lokalen oder internationalen Markt platzieren können”, sagt Kulesz.

Attraktiv für Investoren sind nach einhelliger Meinung der Investmentbanken vor allem inflationsindexierte Peso-Bonds, da der argentinische Peso eine starke Aufwertungstendenz hat und die Inflation relativ hoch ist. Eben aus diesem Grund versuchen die Schuldenstrategen in Buenos Aires nun, eher wieder auf Dollar-Bonds zu setzen, was in dem aktuellen Szenario günstiger für den Staat ist.

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