Ängste vor Problemen
Bondmärkte senden Krisensignale

Die Gefahr an den Finanzmärkten ist noch nicht gebannt. Auch wenn der deutsche Aktienhandel wieder floriert und der Dax sich stark zeigt, Unternehmen haben mit erhöhten Refinanzierungskosten zu kämpfen. Die Gründe hierfür sind bei den Firmenanleihen zu suchen.

FRANKFURT. Die Lage an den Kreditmärkten spitzt sich wieder zu. Unbeeindruckt von der guten Stimmung an den Börsen, die den Deutschen Aktienindex (Dax) am Montag wieder über die Marke von 8 000 Punkten hievte, sind die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen in den vergangenen Wochen erneut deutlich gestiegen. Damit verteuern sich die Refinanzierungkosten für Unternehmen.

Auch laut Auswertung des Dax-Sentiments, ein neue Anleger-Umfrage auf Handelsblatt.com, ist der Optimismus am Aktienmarkt gestiegen. In der zweiten Wochenhälfte ist aber die Wahrscheinlichkeit groß, dass Anleger Gewinne mitnehmen.

Hier geht es zu den » Umfrageergebnissen und der Auswertung.

Jeder kann bei dieser Umfrage von Donnerstag 16 Uhr bis Sonntag 18 Uhr mitmachen. » Per Mail können sie sich an den Start der Umfrage erinneren lassen. Zudem erhalten Sie eine weitere Mail, wenn die Auswertung des Sentiment-Experten Thomas Theuerzeit vorliegt.

Die überraschend deutliche Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed hatte Mitte September zunächst die Aktien- und die Kreditmärkte gestützt. „An den Kreditmärkten ist die Wirkung aber schnell verpufft, von daher dürfte auch die in dieser Woche erwartete weitere Zinssenkung der Fed die Risikoaufschläge kaum sinken lassen“, sagt Philip Gisdakis, Kreditstratege bei der italienischen Großbank Unicredit. Insbesondere der deutliche Gewinneinbruch bei der US-Großbank Merrill Lynch habe den Investoren die Risiken der durch die Turbulenzen am US-Immobilienmarkt ausgelösten Finanzmarktkrise wieder vor Augen geführt.

Die Gewinnerwartungen – vor allem für die US-Banken – sind in den vergangenen Wochen drastisch heruntergeschraubt worden, die Wall-Street-Banken mussten mehr als 20 Mrd. Dollar abschreiben. Sie hatten sich mit strukturierten Finanzprodukten, die Subprime-Risiken verbriefen, verspekuliert und leiden zudem darunter, dass der komplette Markt für verbriefte Produkte mehr oder weniger ausgetrocknet ist. Auch die Ergebnisse von Unternehmen, die konjunkturabhängige Konsumgüter und Dienstleistungen anbieten, liegen im Minus.

Wie heikel die Stimmung an den Kreditmärkten ist, zeigt der sogenannte iTraxx-Crossover-Index. Er misst die Risikoprämien, die Investoren zahlen müssen, um sich gegen den Ausfall eines Kreditportfolios von 50 europäischen Unternehmen mit schwacher Bonität abzusichern. Nach der Zinssenkung der Fed waren die Risikoprämien auf 230 Basispunkte gefallen, das heißt, Investoren mussten pro Jahr 230 000 Euro zahlen, um ein zehn Mill. Euro schweres Portfolio abzusichern. Inzwischen sind die Kosten für diese Versicherung schon wieder auf rund 320 Basispunkte gestiegen, und viele Experten rechnen mit noch weiter steigenden Risikoprämien. Auf dem Höhepunkt der aktuellen Krise hatte der Index zwischenzeitlich bereits fast 480 Punkte erreicht.

Weitere massive Ausweitungen beim iTraxx-Crossover drohen, wenn die ersten mit schwachen Ratings ausgestatteten Unternehmen pleitegehen. Die großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch warnen davor, dass die Ausfälle steigen werden, weil die stark verschuldeten Unternehmen nur noch teurere oder gar keine Kredite mehr bekommen. Dies würde dann auch die Aktienmärkte in Bedrängnis bringen.

Seite 1:

Bondmärkte senden Krisensignale

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%