Ära der so genannten Brady-Bonds nähert sich dem Ende
Brasilien zahlt richtungweisende zehnjährige Dollar-Anleihe zurück

Brasilien hat angefangen, die richtungweisende Benchmark-Anleihe, die 2014 fällig wird, zurückzuzahlen. Damit endet eine Ära. Denn die auf Dollar lautende Anleihe mit einem Volumen von 6,2 Mrd. Dollar gehört zu den so genannten „Capitalisation- Bonds“ oder kurz C-Bonds.

Bloomberg SAO PAULO. Sie wurden 1994 im Rahmen des Brady-Plans (benannten nach dem damaligen US-Finanzminister Nicholas Brady) ausgegeben und sind die umsatzstärksten Anleihen der Schwellenländer. Sie werden auch als Brady-Bonds bezeichnet.

Brady-Bonds hatten bei der Auflegung eine durchschnittliche Laufzeit von 20 Jahren, einige waren vom US-Finanzministerium garantiert. Dadurch erhielten Länder wie Brasilien, Argentinien und Mexiko, die seinerzeit mit einer Rekordinflation und einer Rezession zu kämpfen hatten, wieder Zugang zum Kapitalmarkt. Insgesamt wurden Brady-Bonds über 46 Mrd. Dollar begeben.

Der Rückkäufe sind keine Überraschung, denn sie wurden bereits im Brady-Plan vor zehn Jahren vereinbart. Bis Jahresende will die brasilianische Regierung 622 Mill. Dollar des 2014 fälligen C-Bonds zurückzahlen, der Rest wird bis April 2014 alle sechs Monate in Raten getilgt. Der Kurs des Papiers ist in jüngster Zeit auf 91 % des Nominalwerts von 100 % gefallen. Die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnde Rendite stieg auf 10,6 %.

Durch die Rückkäufe wird sich die Gewichtung des brasilianischen C-Bonds in den Emerging-Market- Bond-Indizes von JP Morgan von derzeit 3 % verringern. Auch der Umsatz in dem Papier wird sukzessive zurückgehen. In den vergangenen zehn Jahren entfielen auf den Bond im Schnitt 10 % des gesamten Handels von Schwellenländer-Anleihen über 4 Bill. Dollar. Das Papier mit dem zweithöchsten Umsatz war der russische C-Bond mit Fälligkeit 2030, auf den 3,5 % des Umsatzes entfiel. Das geht aus Daten der Emerging Market Traders Association hervor. Im vergangenen Jahr sind die Umsätze dieser Bonds schon gesunken. Der Handel mit Anleihen von brasilianischen Unternehmen wie Petroleo Brasileiro stieg um 40 %. Auch der Handel von Auslandsanleihen Venezuelas sowie von mexikanischen Inlandsanleihen legte deutlich zu.

„Nachdem sich die Währungen der Schwellenländer stabilisiert haben und die Wirtschaft wächst, wollen Investoren jetzt lieber in verschiedene Laufzeiten investieren statt in eine Benchmark“, sagt Mohamed El-Erian, Fondsmanager bei Pacific Investment Management Co (Pimco).

„Der C-Bond war der König dieser Anlagekategorie, weil er liquide war,“ sagt El-Erian. Jetzt habe er nur noch eine „ehrenamtliche Rolle“. Früher habe der C-Bond als eine Art Barometer für die gesamten Schwellenländer und nicht nur für Brasilien entwickelt, erinnerst sich Tony Volpon, Händler bei der brasilianischen Tochter von Fleet Boston Financial. „Alle Spekulationen in den Emerging Markets wurden über C-Bonds abgesichert.“

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